Notenbanken : Das Geld bleibt billig

Die amerikanische und die europäische Notenbank bekräftigen ihre lockere Geldpolitik. Eine Zinswende ist nicht in Sicht. Anleger steigen bei Aktien ein.

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Gute Stimmung auf dem Parkett
Gute Stimmung auf dem ParkettFoto: Reuters

Die Aussicht auf weiterhin billiges Geld hat Anleger am Donnerstag motiviert, Aktien zu kaufen. Dax und Euro- Stoxx-50 legten jeweils mehr als ein Prozent zu, am Rohstoff-Markt verteuerten sich Industrie- und Edelmetalle spürbar. Der Dollar ging dagegen in die Knie.

Auslöser der Preisverschiebungen waren Äußerungen von US-Notenbankchef Ben Bernanke. Er hatte am Mittwochabend deutlicher als zuvor gesagt, dass die Geldpolitik in der größten Volkswirtschaft der Welt auf absehbare Zeit locker bleiben werde. Das heißt: Die historisch niedrigen Zinsen werden vorerst nicht steigen, Anlagen in Aktien bleiben attraktiver als Anleihen, Kredite verteuern sich nicht. Ein Ende der Anleihekäufe, das Bernanke bereits früher angedeutet hatte, scheint in weiter Ferne.

„Es wäre vielleicht zu viel gesagt, dass Bernanke zurückrudert, aber Investoren sind mit Blick auf die US-Geldpolitik so nervös, dass sie jedes Wort von ihm auf die Goldwaage legen“, sagte am Donnerstag Aktienstratege Markus Reinwand von der Helaba. „Alles, was darauf hindeutet, dass die Anleihekäufe erst später gedrosselt werden, hilft den Börsen.“

Bernanke versetzt Finanzmärkte in Aufregung

US-Notenbankchef Bernanke hält die Politik des billigen Geldes zunächst weiter für notwendig. „Sehr expansive Geldpolitik für absehbare Zeit ist das, was die US-Wirtschaft braucht“, sagte er bei einer Veranstaltung in Cambrigde, wie die Finanzagentur Bloomberg berichtete. Die hohe Arbeitslosigkeit und die niedrige Inflation bedeuteten für die Federal Reserve (Fed), ihre konjunkturstützenden Maßnahmen fortsetzen zu müssen. Er erwarte, dass die Inflation sich wieder der Rate von zwei Prozent annähere, die von der Fed als Ziel ausgegeben wurde, sagte Bernanke.

Die Frage, wann die Fed die Anleihekäufe von derzeit monatlich 85 Milliarden Dollar drosselt, versetzt die Finanzmärkte seit Wochen in Aufregung. Im Juni hatte Bernanke vage Andeutungen gemacht, dass ein Herunterfahren beginnen könne – und die Börsen reagierten mit einer Talfahrt. Inzwischen haben sich die Kurse wieder deutlich erholt.

Bundesbank-Präsident steuert gegen

Die Rolle des Mahners übernahm erneut Bundesbank-Präsident Jens Weidmann: Er warnte am Donnerstag vor wachsenden Risiken der Politik des billigen Geldes. Niedrigzinsen seien nicht ohne Nebenwirkungen, sagte Weidmann beim Verbandstag des Genossenschaftsverbands Bayern in München. „Auch wenn sie derzeit geldpolitisch begründet sind, dürfen wir davor nicht die Augen verschließen: Sie verführen zum Beispiel dazu, Reformen und den notwendigen Strukturwandel aufzuschieben. Finanzstabilitätsrisiken können sich aufbauen. Diese Nebenwirkungen nehmen mit der Dauer der Niedrigzinsphase zu.“ Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte vor einer Woche auf niedrige Zinsen im Euro- Raum „für einen längeren Zeitraum“ eingestimmt und bekräftigte dieses Versprechen am Donnerstag.

Weidmann will darin jedoch „keine historische Wende in der geldpolitischen Kommunikation“ sehen. Hinter den Äußerungen stehe vielmehr das Bestreben, „in Zeiten höherer Unsicherheit mehr geldpolitische Orientierung zu geben“.

Die EZB gab sich in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht Mühe, ihre Neigung zu weiteren Zinssenkungen durchscheinen zu lassen: „Tatsächlich ist eine weitere Senkung der EZB-Leitzinsen möglich, wenn dies durch die Entwicklung der Aussichten für die Preisstabilität geboten ist.“ Bereits EZB-Chef Mario Draghi hatte vergangene Woche erklärt, die EZB gehe davon aus, „dass der Leitzins für einen längeren Zeitraum auf dem aktuellen oder auch einem niedrigeren Niveau“ bleiben werde. mit dpa

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