Wirtschaft : Notfahrplan eingehalten

Konzern: Jeder zweite Zug fuhr trotz Streiks / Beamte solidarisieren sich nicht mit Lokführern

Bernd Hops

Berlin - Die Deutsche Bahn hat sich von den erneuten Streiks der Lokführer am Freitag nicht beeindrucken lassen. Personalvorstand Margret Suckale stellte der Gewerkschaft GDL kein neues Angebot in Aussicht. „Die zehn Prozent gelten weiter“, sagte Suckale in Berlin. Vergangene Woche hatte die Bahn der GDL ein Lohnplus von zehn Prozent angeboten – durch eine Tariferhöhung, aber auch durch Mehrarbeit. Gewerkschaftschef Manfred Schell hatte das als viel zu wenig zurückgewiesen und gesagt, er hoffe, dass die Streiks am Freitag ausreichen, die Bahn zu einem Einlenken zu bewegen. Vorerst will die GDL den Druck auf den Konzern aber nicht erhöhen. Bis einschließlich kommenden Montag schließen die Lokführer weitere Arbeitskampfmaßnahmen aus. Bis Dienstagmittag verlangen sie von der Bahn ein Angebot für einen eigenständigen Tarifvertrag. Den braucht die GDL, um im Wettbewerb mit den wesentlich größeren Bahngewerkschaften Transnet und GDBA bestehen zu können. Die beiden lehnen mittlerweile eine Zusammenarbeit mit der GDL kategorisch ab.

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag hatte das Arbeitsgericht Chemnitz den Lokführern nur erlaubt, im Regionalverkehr der Bahn zu streiken. Gegen einen Arbeitskampf im Fernverkehr oder bei den Güterzügen erließen die Richter eine einstweilige Verfügung. Sowohl GDL als auch Bahn behielten sich vor, Berufung einzulegen.

Personalvorstand Suckale wehrte sich gegen Vorwürfe, die Bahn habe ihre Fahrgäste durch die Umsetzung der Notfahrpläne quasi selber bestreikt. Da das Urteil aus Chemnitz sehr spät gekommen sei, habe der Konzern nur so die Kalkulierbarkeit für die Kunden sicherstellen können. Sie zog auch eine positive Bilanz der Gegenmaßnahmen. 20 000 der sonst üblichen 40 000 Zugverbindungen wurden gefahren, alle wichtigen Kunden in der Wirtschaft – etwa Kraftwerke oder die Häfen – seien zuverlässig bedient worden. Ab dem heutigen Sonnabend solle auch im Personenverkehr wieder der normale Fahrplan gelten.

Vom Fahrgastverband Pro Bahn wurden die Notfahrpläne gelobt. „Ein geplanter Ausfall ist immer noch kalkulierbarer“, sagte der Pro-Bahn-Vorsitzende Karl-Peter Naumann der dpa. Damit werde auch ermöglicht, dass Züge am Abend wieder dort stehen könnten, wo sie für den Betrieb am Samstag gebraucht würden. In einigen Regionen habe die Bahn jedoch „etwas überreagiert“, etwa beim Streichen von IC-Zügen auf wichtigen Strecken.

Der Konzern bezifferte den Schaden durch die Streiks vom Freitag auf mehr als eine Million Euro. Letztlich würden aber vor allem die Kunden getroffen, sagte Personalvorstand Suckale. Sie betonte, die Mitarbeiter, die diesmal eingesetzt wurden, seien „sehr motiviert“ gewesen. Auch mit beamteten Lokführern habe es kein Problem gegeben, sagte die Managerin. Die GDL hatte die Beamten dazu aufgefordert, ebenfalls die Arbeit zu verweigern.

Um künftig ähnliche Konflikte zu entschärfen, will der Deutsche Beamtenbund (dbb) die Tarifpolitik seiner Teilgewerkschaften besser koordinieren. Sowohl die GDL als auch deren Konkurrenzgewerkschaft GDBA gehören dem dbb an. Der Entschluss zu dem Schritt sei schon vor der Auseinandersetzung bei der Bahn erfolgt, sagte ein dbb-Sprecher. Die Reform soll außerdem erst 2011 oder 2012 umgesetzt werden. Dann würde aber die Möglichkeit der Mitgliedsgewerkschaften, eigenständig vorzugehen, stark eingeschränkt.

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