Wirtschaft : Notruf bei Kreditkartenklau geplant

Die Finanzierung der neuen zentralen Servicestelle ist aber noch offen

Alexander Visser

Berlin - Die Finanzbranche denkt über die Einführung einer einheitlichen Notrufnummer beim Diebstahl von Scheck- und Kreditkarten nach. Sie könnte die Sperrung gestohlener Karten beschleunigen und damit den stark wachsenden Betrug mit geklauten Karten eindämmen. Doch das Notrufsystem könnte an der Kostenfrage scheitern. Nach Einschätzung von Branchenexperten scheuen sich vor allem Großbanken, den Kunden neue Gebühren für den Notdienst in Rechnung zu stellen.

„Dabei zeigen Umfragen, dass die große Mehrheit der Bankkunden bereit wäre, für mehr Sicherheit der Karten höhere Gebühren zu zahlen“, sagt Margit Schneider, Vorstandsmitglied des Vereins Sperr e.V., in dem sich mehrere Firmen und Verbände der Branche zusammengeschlossen haben. Er setzt sich für die einheitliche Notfallnummer ein.

Unter 116116 sollen Bestohlene kostenfrei den Verlust ihrer Karte melden können. Das Problem: Häufig kennen Bestohlene die Notrufnummern ihrer Finanzdienstleister nicht. Verschwindet die Karte am Wochenende, kann die Hausbank dann erst am folgenden Montag kontaktiert werden. Das gibt Betrügern mehr Zeit, die Karte auszubeuten. Das geplante Callcenter wäre rund um die Uhr erreichbar und würde die Anrufer schnell an seine Kreditkartenfirmen oder die Sperrannahme der EC- und Maestro-Karten vermitteln.

Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post teilte auf Anfrage mit, dass eine Ausschreibung für den Betrieb der Nummer geplant sei. Doch ob sich die Kreditwirtschaft auf ein gemeinsames Vorgehen einigen kann, ist offen. „Alle Beteiligten prüfen derzeit, ob die gemeinsame Notrufnummer eine sinnvolle Ergänzung der bestehenden Sicherungssysteme wäre“, sagte Rainer Herrmann, vom Zentralen Kreditausschuss. Sehr schnell wird die neue Nummer nicht kommen. Denn auf EU-Ebene wird über eine entsprechende Richtlinie verhandelt. Bevor es dort zu einer Einigung kommt, ist eine nationale Lösung fraglich.

Sperr e.V. denkt aber schon weiter: Neben EC- und Kreditkarten könnte der neue Notruf auch andere Karten sperren lassen. Etwa die geplanten neuen Karten der Krankenversicherungen, die sensible Daten der Versicherten enthalten.

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