Wirtschaft : Novartis verkauft Babynahrung an Nestlé

Der Pharmakonzern erlöst 5,5 Milliarden Dollar und konzentriert sich jetzt auf sein Kerngeschäft

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Frankfurt am Main - Die großen Pharmakonzerne arbeiten weiter daran, ihre Profile zu schärfen und sich stärker auf das Medikamentengeschäft zu konzentrieren. Am Donnerstag untermauerte Novartis diesen langjährigen Trend mit dem Verkauf seiner Sparte Kinderernährung für 5,5 Milliarden Dollar an Nestlé. Das Geschäft unter dem Dach der Tochtergesellschaft Gerber erzielte 2007 einen Umsatz von 1,6 Milliarden Dollar und verfügt in den USA über einen hohen Marktanteil von fast drei Viertel.

Während Nestlé mit dem Zukauf den Bereich Spezialnahrungsmittel weiter ausbaut, trennt sich Novartis von den letzten Aktivitäten außerhalb des Medikamenten- und Gesundheitsgeschäfts. Bereits im Dezember verkaufte der Konzern seine Sparte medizinische Ernährung, ebenfalls an Nestlé.

Die jüngsten Transaktionen des Baseler Konzerns fügen sich in einen Trend, der die Pharmabranche seit mehr als zwei Jahrzehnten prägt und inzwischen zahlreiche fast reine Medikamentenhersteller hervorgebracht hat. Stand dabei in den 90er Jahren die Aufspaltung der großen Chemiekonglomerate wie Hoechst, ICI, Rhone-Poulenc oder Ciba-Geigy im Vordergrund, wurde die Entwicklung in den vergangenen acht Jahren von einer Vielzahl kleinerer und mittelgroßer Transaktionen geprägt, mit denen sich Chemiefirmen aus dem Pharmageschäft zurückzogen oder aber Pharmahersteller Randbereiche abgestoßen haben.

In den vergangenen Monaten zum Beispiel verkaufte der niederländische Chemiekonzern Akzo seine Arzneimittelsparte an den US-Konzern Schering-Plough und die US-Firma Abbott ihre Diagnostikasparte an den Mischkonzern General Electric.

Die führenden zehn Unternehmen der Pharmabranche erzielen inzwischen mehr als vier Fünftel ihrer Umsätze im Geschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten. Der Rest entfällt überwiegend auf Sparten wie freiverkäufliche Medikamente (OTC) oder Tierarzneimittel. Motor hinter dem Trend sind unterschiedliche Managementanforderungen an das Pharma- und das pharmafremde Geschäft sowie ein starkes Renditegefälle. Zudem zielen Pharmakonzerne darauf, finanziellen Spielraum für Zukäufe im Medikamentengeschäft zu schaffen. „Dieser Trend zur Konzentration auf Pharma wird sich fortsetzen“, erwartet Olaf Tölke, Pharmaexperte der Ratingagentur Standard & Poor’s. Die Schweizer Bank UBS bewertet die jüngste Transaktion von Novartis als Teil einer konsistenten Strategie. Der erhöhte Bestand an flüssigen Finanzmitteln gebe dem Konzern die Möglichkeit weitere ergänzende Zukäufe zu tätigen oder aber eigene Aktien zurückzukaufen.

Novartis werden aus den beiden Verkäufen an Nestlé zusammen acht Milliarden Dollar zufließen. „Am liebsten würden wir diese Mittel wieder in unser Kerngeschäft investieren“, sagte Novartis-Chef Daniel Vasella. Zuletzt hatte Novartis vor allem seine Generikasparte durch die Übernahme von Hexal und das Impfstoffgeschäft durch die Komplettübernahme der Beteiligungsgesellschaft Chiron deutlich verstärkt.

Auch die verbliebenen deutschen Pharmahersteller haben im vergangenen Jahr die Konzentration auf den Pharmabereich verstärkt. Bayer etwa verstärkte das Medikamentengeschäft mit der Übernahme des Berliner Konkurrenten Schering und hat im Gegenzug das Geschäft mit Labordiagnostika sowie die Chemietöchter Wolff Walsrode und H.C. Starck verkauft. Die Merck-Gruppe übernahm den Biotechnologiekonzern Serono und will sich im Gegenzug durch einen Verkauf der Generikasparte teilweise refinanzieren. shf (HB)

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