Wirtschaft : NRW gegen Berlin: Siemens hat die Wahl

Düsseldorf begrüßt Interesse an Rhein-Ruhr-Region

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Berlin - Für die nordrhein-westfälische Landesregierung ist das Interesse von Siemens eine willkommene Überraschung. Finanzvorstand Joe Kaeser hatte in einem am Montag erschienenen Tagesspiegel- Interview die Rhein-Ruhr-Region neben Berlin als möglichen Standort für die neue Infrastruktursparte ins Gespräch gebracht. Es geht um viel: Die neue, vierte Sparte bündelt Aktivitäten mit einem Jahresumsatz von 16,5 Milliarden Euro, erwirtschaftet von weltweit 81 000 Mitarbeitern.

Und so packte Landeswirtschaftsminister Harry Voigtsberger (SPD) die Gelegenheit am Montag beim Schopfe: Er werde „unmittelbar das Gespräch mit der Konzernspitze suchen“ und die Chancen der Ansiedlung ausloten, sagte er dem Tagesspiegel. „Als Standort ist die Rhein-Ruhr-Region aus meiner Sicht prädestiniert für die Ansiedlung der Infrastruktur-Sparte von Siemens.“ Sein Land verfüge schließlich über eine ausgezeichnete Infrastruktur.

Kaeser hatte in dem Interview erkennen lassen, dass Berlin keineswegs gesetzt ist. „Berlin ist als deutsche Hauptstadt exponiert, aber die einzige Megacity, die wir in Deutschland haben, ist eigentlich die Region Rhein-Ruhr. Man könnte auch argumentieren, dass wir deshalb dahin gehen sollten.“ Der Siemens-Gesamtbetriebsrat setzt sich für einen Sitz der Sparte „Infrastruktur und Städte“ in Deutschland ein. „Wenn man bei Infrastrukturprojekten vor allem an staatliche Auftraggeber denkt, dann könnte Berlin ein geeigneter Standort sein“, hatte der Chef des Gremiums, Lothar Adler, dem Tagesspiegel lediglich gesagt. Doch traue er dem Management zu, „dass es an London als Standort denkt“. Chef der Sparte ist Roland Busch, der dafür gerade in den Vorstand berufen wurde. Der 46-jährige Physiker aus Erlangen hält sich bisher öffentlich zurück.

Berlin ist der weltweit größte Fertigungsstandort des Konzerns, der damit der größte industrielle Arbeitgeber der Stadt ist. Berlin ist zudem bereits der Sitz eines großen Geschäftsfeldes der neuen Sparte: Im vergangenen Jahr verlegte der Konzern die Führung der Verkehrstechnik („Mobility“) von Erlangen nach Berlin. Die Ansiedlung der ganzen Sparte wäre ein Coup. Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) hatte vor zehn Tagen angekündigt, dafür das Gespräch mit der Konzernleitung zu suchen. Über den Fortgang ist nichts bekannt. „Senator Wolf steht gemeinsam mit dem Regierenden Bürgermeister und Berlin Partner in Kontakt mit Siemens, um für Berlin als Standort der neuen Siemens-Sparte zu werben“, erklärte Wolfs Sprecher am Montag auf Anfrage. Moritz Döbler

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