Wirtschaft : Nummer Eins ist nicht genug

Die Drogeriemarktkette dm profitiert von der Schlecker-Insolvenz und wächst rasant. Auch in Berlin.

Fritz Zimmermann
Das Geschäft mit Drogerieartikeln läuft . Dm verzeichnete im vergangenen Geschäftsjahr mit 7,7 Milliarden Euro einen neuen Rekordumsatz. Foto: dpa
Das Geschäft mit Drogerieartikeln läuft . Dm verzeichnete im vergangenen Geschäftsjahr mit 7,7 Milliarden Euro einen neuen...Foto: dpa

Berlin - Eine Pressekonferenz allein reicht nicht aus, um die Jahresbilanz von dm vorzustellen: In Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Karlsruhe und München stellte die Drogeriemarktkette am Donnerstag zeitgleich ihre Zahlen für das Geschäftsjahr 2012/2013 vor – und präsentierte ein Rekordergebnis.

So verzeichnete dm bis zum Ende des Geschäftsjahres am 30. September einen Umsatz von rund 7,7 Milliarden Euro. Das ist eine Steigerung von 11,9 Prozent imVergleich zum Vorjahr. Rund 5,8 Milliarden Euro entfielen auf das Deutschlandgeschäft des Unternehmens, eine Steigerung um 14,3 Prozent. Zu seinem Gewinn macht das Karlsruher Unternehmen traditionell keine Angaben, betont aber, man habe die aus Sicht der Firma notwendige Umsatzrendite von einem Prozent erreicht. Der Gewinn stehe nicht im Vordergrund, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Erich Harsch, der Deutschen Presse-Agentur. „Wir investieren in unsere Mitarbeiter.“

Tatsächlich gerierte sich dm immer als Gegenpol zum inzwischen insolvent gegangenen Konkurrenten Schlecker: Während dieser wegen der schlechten Arbeitsbedingungen der Beschäftigten häufig mit der Gewerkschaft Verdi aneinander geriet, plädiert dm-Firmengründer Götz Werner für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Den rund 30 000 Filialmitarbeitern bei dm in Deutschland werden nach Unternehmensangaben zwischen 12 und 13 Euro pro Stunde bezahlt. Auch am Donnerstag betonte ein Konzernvertreter, dass alle Vollzeitangestellten der Kette von ihrem Gehalt leben können.

Dm ist nach der Insolvenz von Schlecker jetzt Marktführer bei den Drogeriemarktketten, vor Rossmann und Müller. Wie sehr dm allerdings von der Pleite profitiert habe, könne man noch nicht sagen, sagte Erich Harsch. Allerdings sei der Effekt längst nicht so groß, wie überall beschrieben. Christian Bodi, Geschäftsführer bei dm, erklärte am Donnerstag in Berlin jedoch: „Natürlich hat das einen Effekt.“ Es liege auf der Hand, dass frühere Schlecker-Kunden nun Alternativen bräuchten. Und auch Thomas Roeb, Professor für Handelsbetriebslehre an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, sieht dm als Profiteur der Schlecker-Pleite. „Ein wesentlicher Teil des Umsatzes von Schlecker ist zu dm und Rossmann geflossen. Dm und Rossmann werden auf Jahre hinaus vom Untergang von Schlecker profitieren.“

Auch um die Lücke zu füllen, die Schlecker hinterlässt, will dm weiter expandieren. Das Unternehmen kündigte an, im laufenden Geschäftsjahr in Deutschland 230 Millionen Euro zu investieren: Zu den bereits bestehenden 1480-dm-Märkten in Deutschland sollen bis September 2014 weitere 150 Filialen hinzukommen.

Auch in Berlin baut das Unternehmen sein Angebot aus: Fünf Millionen Euro sollen im laufenden Geschäftsjahr investiert werden. Bisher betreibt dm in Berlin 66 Drogerien und beschäftigt 1591 Mitarbeiter. Im vergangenen Geschäftsjahr wurden 17 neue Märkte gegründet und 473 Mitarbeiter eingestellt. Bis zum Herbst 2014 sollen nun weitere zehn Filialen entstehen und mindestens hundert Arbeitsplätze geschaffen werden.

Wie eine Verantwortliche von dm am Donnerstag in Berlin mitteilte, versuche dm pro Filiale und Ausbildungsjahr, einen Auszubildenden zu beschäftigen. In Berlin sei es allerdings zunehmend schwierig, Schulabgänger zu finden, denen man eine erfolgreiche Ausbildung bei dm zutraue. Aus diesem Grund bemüht sich das Unternehmen um Kooperationen mit Berliner Schulen: Mit rund zehn Schulen arbeitet dm nach eigenen Angaben bereits zusammen.

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