Wirtschaft : Nun soll der Elch für die A-Klasse werben

FRANK MATTHIAS DROST THOMAS KNÜWER (HB)

Wie Daimler auf die Test-Panne reagiert / Bereits ausgelieferte Autos werden nachgerüstetFRANK MATTHIAS DROST / THOMAS KNÜWER (HB)

STUTTGART.Der Kommunikationsverband Baden-Württemberg hatte den Termin lange geplant.Am morgigen Mittwoch sollte Jochen Pläcking, der Leiter der Marketing-Kommunikation Pkw der Daimler-Benz AG, über "die A-Klasse-Marketing-Story ­ Der schmale Grat zwischen Wahnsinn und Genie" sprechen.Wie schmal dieser Grat tatsächlich ist, bewies der Autohersteller in den vergangenen Wochen.Vor einem Monat schien es, als stünde Daimler beispielhaft für den Wandel der deutschen Autoindustrie, jetzt drohen dem Unternehmen wirtschaftliche Schäden und Kratzer am Image.Mit Spannung wurde der Einstieg der Schwaben in die Kompakt-Klasse verfolgt.Erstmals strahlte der Stern auf Autos, die nur 30 500 DM kosten.Innovationen wie das Sandwich-Konzept sollten VW- und Opel-Kunden den Wechsel schmackhaft machen.Zum Start Mitte Oktober berichtete das Unternehmen von 100 000 Vorbestellungen, vier Fünftel davon waren neue Kunden.Dann kam das Tief aus dem Norden.Crash-Tests absolvierte der Baby-Benz durch das Sandwich-Bausystem überlegen, doch beim in Schweden üblichen Elch-Test patzte er: Bei scharfen Ausweichmanövern kippte das Fahrzeug um.Schlimmer noch: Vorne rechts knickte das Dach ein.In den Tagen danach lieferte der Daimler-Vorstand ein Beispiel für mangelhaftes Krisenmanagement.Eine Hälfte der Chefetage weilte bei der Motor-Messe Tokio, die andere beim Formel-1-Rennen in Jerez.Zu einer geordneten Aussage fand sich niemand bereit.Stattdessen wurde der schwedische Test erst mal als "hirnrissig", so Pkw-Vorstand Hubbert, abgekanzelt.Später wurde der Schwarze Peter weitergereicht: Wegen der Reifen sei der Kleinwagen umgekippt.Dabei ist der Konzern auch dafür verantwortlich. Eigentlich sollte die A-Klasse neue Maßstäbe setzen, auch in Sachen Werbung.Bereits vor vier Jahren kündeten die ersten Anzeigen vom Mercedes-Einstieg in die unteren Auto-Regionen.Die betreuende Agentur Springer & Jacoby beschäftigte ständig bis zu 14 Leute allein mit der A-Klasse.Rund 600 000 Adressen wurden gesammelt, eine Datenbasis von 200 000 blieb am Ende übrig.Grund für den frühen Start: "Wir haben unseren Kunden viel zu sagen", tönte Pkw-Marketing-Chef Pläcking.Das änderte sich, als der der Kleinwagen kippte.Erst in dieser Woche erreicht die rund 100 000 Besteller ein beruhigender Brief aus der Konzernzentrale ­ drei Wochen nach den ersten Umfall-Meldungen.Die PR-Branche wundert sich, warum nicht auch die anderen gesammelten Adressen genutzt werden, um das Ansehen aufzupolieren.Immerhin wissen nach einer Forsa-Umfrage 86 Prozent der Deutschen um die Pannen der A-Klasse.Rund 1000 Stornierungen wurden vorgenommen, die aber laut Daimler durch Neubestellungen mehr als kompensiert würden.Die Kunden sollen jetzt ein sicheres Auto bekommen, dank elektronischer Fahrdynamikregelung ESP und anderer Reifen.Ausgelieferte Fahrzeuge werden nachgerüstet.Mit diesen Nachbesserungen sei der Elch-Test zufriedenstellend verlaufen, hieß es. Der Zwischenfall mit dem Elch hat inzwischen die Werbestrategen auf Trab gebracht.Nun will der Daimler-Konzern mit einem Elch für die umstrittene A-Klasse werben.Zusätzliche Anzeigen mit dem Thema "A-Klasse und Elch" werden voraussichtlich noch in dieser Woche geschaltet, sagte ein Mercedes-Sprecher der Nachrichtenagentur dpa.

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