Nur 0,1 Prozent Wachstum : Deutschland rutscht beinahe in die Rezession

Nur Export und Konsum haben die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal vor einem Minus bewahrt. Jetzt mehren sich die Zeichen für eine Trendwende.

Retter der Wirtschaft: Ohne die spendierfreudigen Konsumenten wäre die deutsche Wirtschaft in eine Rezession gerutscht.
Retter der Wirtschaft: Ohne die spendierfreudigen Konsumenten wäre die deutsche Wirtschaft in eine Rezession gerutscht.Foto: dpa

Verbraucher und Exporteure haben die deutsche Wirtschaft im Sommer vor einer Rezession bewahrt. Das Bruttoinlandsprodukt stieg von Juli bis September um 0,1 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte and damit eine erste Schätzung von Mitte November bestätigte.

Für Schwung sorgten vor allem die Konsumenten, die ihre Ausgaben um 0,7 Prozent steigerten und damit so stark wie seit drei Jahren nicht mehr. Auch der Außenhandel schob die Wirtschaft an, da die Exporte 1,9 Prozent zulegten und damit stärker als die Importe mit 1,7 Prozent. Als Bremse hingegen wirkte die Zurückhaltung der Firmen mit Investitionen.

“Deutschland hat kein Konsumproblem und auch kein Exportproblem“, sagte Konjunkturexperte Christian Schulz von der Berenberg Bank. “Diese zwei Säulen der Wirtschaft wackeln nicht.“ Ganz anders sei die Lage bei den Investitionen. Denn verunsichert durch viele internationale Krisen etwa in der Ukraine und im Nahen Osten ließen die Firmen Pläne für bestimmte Projekte in der Schublade. Sie gaben 2,3 Prozent weniger aus für Maschinen und Anlagen - dies ist der größte Rückgang seit Anfang 2013.

Schulz betonte aber: “Es sieht so aus, als ob die Abwärtsspirale der Unsicherheit zu einem Ende kommt.“ Im Frühjahr war die Wirtschaft noch um 0,1 Prozent geschrumpft. Sinkt die Summe aller produzierten Waren und Dienstleistungen zwei Quartale in Folge, sprechen Fachleute von einer Rezession.

Trotz des konjunkturellen Gegenwinds wittern die Firmen wieder Morgenluft. Nach sechs Rückgängen in Folge hellte sich das Ifo-Geschäftsklima im November erstmals wieder auf. Dennoch bleibt die Erholung zunächst schwach. Im laufenden Schlussquartal erwartet Schulz nur eine Stagnation des Bruttoinlandsproduktes.
Unterm Strich trauen die meisten Ökonomen der Wirtschaft 2014 rund 1,2 Prozent Wachstum zu. Für nächstes Jahr gehen die Prognosen auseinander. Während die Bundesregierung ein Plus von 1,3 Prozent erwartet, rechnen die Wirtschaftsweisen 2015 nur mit 1,0 Prozent Wachstum.

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