Wirtschaft : Nur bezahlbare Pillen können wirken

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Von Maren Peters

Der Vorschlag des SPDGesundheitsexperten Klaus Kirschner, eine Regresspflicht für Ärzte einzuführen, die zu teure Medikamente verschreiben, ist konsequent. Denn ohne Zwang geht es offenbar nicht.

Als Geschenk an die Ärzte hatte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) Anfang 2002 die kollektive Regresspflicht abgeschafft, der alle Ärzte zur Kasse bat, wenn sie zu teure Pillen verschrieben. Zahlen mussten sie zwar nie, aber allein die Drohung hat gewirkt: In der Zeit der Regresspflicht blieben die Arzneimittelausgaben einigermaßen konstant. Seit der Aufhebung sind die Kosten dagegen aus dem Ruder gelaufen. Zwar gibt es auch jetzt bestimmte Richtgrößen für Ärzte, aber der Spielraum ist groß, und die Gefahr, tatsächlich zahlen zu müssen, wenn die Grenze überschritten ist, gering. Darum reagieren Ärzte auf die steigenden Arzneiausgaben nur mit einem Schulterzucken und dem Hinweis, dass die Patienten eben immer älter, kränker und damit teurer werden. Ein schwaches Argument: Auch vor der Abschaffung des Kollektivregresses sind die Menschen älter und kränker geworden. Auch der Hinweis auf den medizinischen Fortschritt, der eben teurer sei als eine Aspirin, kann die Kostenexplosion nicht rechtfertigen – bahnbrechende neue Medikamente zur Behandlung von Krebs oder Aids gibt es nicht. Trotzdem steigen die Arzneikosten.

Darum ist es richtig, über eine schärfere finanzielle Bestrafung für Ärzte nachzudenken, die sich nicht an die Regeln halten. Selbst Mediziner geben zu, dass es Einsparpotenziale bei hochpreisigen Medikamenten gibt. Das heißt nicht, dass Patienten deshalb schlechter versorgt werden – es lohnt sich sogar für sie. Denn nur, wenn Medizin bezahlbar bleibt, kann sie ihnen nützen.

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