Wirtschaft : Nur eine Frage der Organisation Der Katastrophenschutz soll reformiert werden

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540 723 Kilometer beträgt die Gesamtlänge des deutschen Leitungs- und Kanalnetzsystems. Das entspricht etwa der 4,7-fachen Distanz zwischen Erde und Mond. Rund 80 Prozent aller kritischen Infrastrukturen liegen mittlerweile in privater Hand. Diese Infrastrukturen sichern die öffentliche Versorgung, also Strom, Gas, Fernwärme, Wasser, Abwasser oder Verkehrssysteme. Das Bundesinnenministerium hat mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe sowie dem BKA ein Basisschutzkonzept als Empfehlung für diese Unternehmen erarbeitet. Die Länder wiederum sind für die Umsetzung der Katastrophenschutzgesetze verantwortlich. Das Berliner „Gesetz über die Gefahrenabwehr bei Katastrophen“ verpflichtet die Betreiber von Kritischen Infrastrukturen, mit der Katastrophenschutzbehörde zusammenzuarbeiten. Und was passiert in Berlin im Falle eines sogenannten „Großschadensereignisses“, wie die Katastrophe definiert ist?

Beispiel Stromausfall: In der Innenverwaltung träte die Zentrale Einsatzleitung zusammen mit Vertretern der Schutzbehörden (Bezirke, Fachverwaltungen, Sonderbehörden), Feuerwehr, Polizei, der BVG, Vattenfall und – je nach Ausmaß – anderer Infrastrukturen. „Wir erstellen ein fachübergreifendes Lagebild und koordinieren die Aufgaben“, sagt Dirk Würger, Leiter der Arbeitsgruppe Katastrophenschutz in der Innenverwaltung. Gegebenenfalls werden andere Bundesländer, die Bundeswehr und Hilfsorganisationen wie das Technische Hilfswerk, der Arbeiter-Samariter-Bund, das Deutsche Rote Kreuz, Johanniter, Malteser oder die Deutsche-Lebens-Rettungs-Gesellschaft um Hilfe gebeten. Maßgeblich hat die Berliner Feuerwehr deren Aufgaben zu koordinieren.

Die Notstromaggregate der Krankenhäuser und der Wasserbetriebe werden in Betrieb genommen. Dauert der Stromausfall über mehrere Tage, brauchen diese Aggregate wieder Kraftstoff. Mobile Notstromaggregate an einspeisefähigen Tankstellen ermöglichen die Betankungen der Einsatzfahrzeuge. In Berlin soll es lediglich eine einzige Tankstelle geben, die für eine externe Stromzufuhr ausgerüstet ist, wie aus der Innenverwaltung und dem Verein Kritische Infrastrukturen (KKI) zu hören ist. Sie befindet sich am Sachsendamm in Schöneberg

Das Kompetenzzentrum Kritische Infrastrukturen plant, mit den Netzbetreibern ein gemeinsames Lagezentrum aufzubauen, „in dem in Echtzeit alle Informationen einlaufen“, sagt Geschäftsführer Stephan Boy. Die Hauptstadt habe mit der Arbeitsgemeinschaft Infrastrukturbetreiber eine gute Plattform der Zusammenarbeit. Das schaut in Brandenburg anders aus: Dort existieren mehr als 100 Unternehmen für Strom, Gas, Fernwärme, Wasser und Abwasser. Wie dort die Kommunikation beim Blackout funktionieren soll, ist in größerem Umfang noch nicht getestet worden. Sabine Beikler

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