Wirtschaft : Nur eine Handvoll Policen ist wirklich nötig

Verbraucherschützer raten von Spezialangeboten ab

Heike Jahberg

DIE RICHTIGEN VERSICHERUNGEN

Brauchen Senioren andere Versicherungen als junge Leute? „Ja“, sagt Dietmar Mietzner von der Ideal Versicherung. Das Berliner Versicherungsunternehmen hat sich auf Menschen in der zweiten Lebenshälfte spezialisiert. Kunden jenseits der 50 bietet der Lebens- und Unfallversicherer spezielle Policen an. So können Senioren bei der Ideal eine private Rentenversicherung mit Pflegekomponente abschließen: Wird der Versicherte pflegebedürftig (nur in der Pflegestufe III), bekommt er zusätzlich zur Privatrente noch eine monatliche Pflegerente. Oder Rentner entscheiden sich für die Lebensversicherung „Sicher leben“. Diese richtet sich vor allem an Menschen, die im Alter noch einen neuen Lebenspartner finden. Stirbt der Versicherungsnehmer oder wird er zum Pflegefall (Pflegestufe III), bekommt der Partner die Versicherungssumme ausgezahlt. Und noch etwas sollte jeder Rentner haben, meint Mietzner: die „Ideal-Bestattungs-Vorsorge“, mit der man nicht nur den Ablauf der eigenen Beisetzung bereits zu Lebzeiten vertraglich bestimmt, sondern zusätzlich noch die Hinterbliebenen mit einer Lebensversicherung absichert.

„Reiner Marketing-Gag“

„Rentner brauchen keine speziellen Seniorenversicherungen“, sagt dagegen der Hamburger Versicherungsberater Rüdiger Falken, „das ist ein reiner Marketing-Gag“. Die Policen, die ein Rentner haben sollte, lassen sich nach Meinung Falkens an einer Hand abzählen: Eine Privat-Haftpflichtversicherung sei absolutes Muss, wer eine teure Wohnungseinrichtung hat, brauche noch eine Hausratversicherung, und Hausbesitzer könnten eine Wohngebäude-Versicherung abschließen.

Von speziellen Seniorenpolicen rät auch Wolfgang Scholl ab. Neben Haftpflicht- und Hausrat- könnte aber auch eine Reisekrankenversicherung empfehlenswert sein, sagt der Versicherungsexperte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (vzbv), nämlich dann, wenn Senioren viel reisen. Allerdings haben Ältere nicht die freie Auswahl: Viele Versicherer nehmen bei ihren Reisekrankenpolicen nur Kunden bis zu einem gewissen Lebensalter.

In anderen Versicherungszweigen werden Senioren dagegen sogar mit speziellen Rabatten umworben. So zahlen Kunden über 50 bei der Allianz weniger für ihre Unfallversicherung als Jüngere. Bei der Rechtsschutzversicherung gibt es einen Rabatt von 20 Prozent, bei der Privat-Haftpflicht berechnet die Allianz Senioren sogar ein Drittel weniger als jüngeren Versicherten. Auch in der Autoversicherung gewähren einzelne Unternehmen Senioren Ermäßigungen.

Wer die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung mit einer privaten Pflegepolice aufbessern will, sollte dagegen nicht bis zum Rentenalter warten. „Eine private Pflegeversicherung ist unsinnig, wenn man sie erst mit 50 Jahren oder noch später abschließt“, warnt Scholl.

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