Wirtschaft : Nur eine leichte Delle beim Export

WIESBADEN (AP). Der deutsche Export gewinnt weiter an Schwung. Auch die leichte Delle im April ist nach Ansicht von Experten kein Anlaß, den positiven Trend in Frage zu stellen. Im April lagen die deutschen Ausfuhren mit 80,9 Mrd. DM um 3,0 Prozent unter ihrem Vorjahreswert, berichtete das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden. Da die Einfuhren aber um 4,2 Prozent auf 69,6 Mrd. DM zurückgingen, stieg der Überschuß in der deutschen Handelsbilanz auf 11,3 (Vorjahr 10,7) Mrd. DM. Aufgrund der Exportschwäche um den Jahreswechsel 98/99 wegen der Asienkrise erreichten die gesamten Ausfuhren von Januar bis April nur einen Wert von 309,5 Mrd. DM. Dies waren 2,3 Prozent weniger als in den ersten vier Monaten 1998.

Dafür war die deutsche Leistungsbilanz sowohl im April als auch in den ersten vier Monaten 1999 deutlich im Plus. Allein für April registrierten die Statistiker einen Überschuß von 5,6 (Vorjahr 1,6) Mrd. DM in der Leistungsbilanz. In ihr werden neben dem Außenhandel auch Dienstleistungen wie Tourismus, Übertragungen an internationale Organisationen sowie Erwerbs- und Vermögenseinkommen erfaßt.

"Wenn man die Zahlen aber genauer interpretiert, sieht das Bild günstiger aus", kommentierte die Dresdner Bank die jüngste Exportstatistik. Saisonbereinigt sei das Ausfuhrergebnis im April sowohl gegenüber März als auch dem Durchschnitt des ersten Quartals gestiegen, betonte Dresdner-Bank-Volkswirt Rolf Schneider. Auch müsse berücksichtigt werden, daß die Ausfuhrpreise im April 1,6 Prozent niedriger waren als vor Jahresfrist.

Ähnlich stellt sich das Bild bei den Einfuhrpreisen dar. Die Einfuhrpreise zogen zwar im April im Vergleich zum Vormonat um 0,7 Prozent an, binnen Jahresfrist fielen sie aber um 3,9 Prozent. Hier ließen vor allem die drastisch verteuerten Erdölpreise (plus 20,7 Prozent) das Niveau in die Höhe schnellen. Bei den Importpreisen habe sich auch der gegenüber dem Euro deutlich gestiegene Kurs des Dollars ausgewirkt, erklärten die Statistiker.

Doch hatte diese Entwicklung wenig Einfluß auf die Inflationsrate. Gegenüber dem Vormonat hat sich der Anstieg der Inflationsrate sogar erstmals in diesem Jahr deutlich abgeschwächt. Die Verbraucherpreise im Mai lagen im bundesweiten Schnitt um 0,4 Prozent über dem Vorjahresniveau, nach einem Plus von noch 0,7 Prozent im April. Ursache für die geringere Teuerungsrate waren vor allem die rückläufigen Preise für Telefondienstleistungen, die sich um 11,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat verbilligten. Ostdeutschland lag beim Preisanstieg im Mai mit 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr leicht unter dem Westen, wo die Preise um 0,5 Prozent stiegen. Gegenüber April 1999 blieb die Inflationsrate im Mai unverändert. Bereits seit Juli 1998 steht bei der gesamtdeutschen Inflationsrate eine Null vor dem Komma.

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