Wirtschaft : Nur Gelsenkirchen und Rostock sind schlechter dran Im Wirtschafts-Vergleich wird Berlin Drittletzter

Forscher empfehlen Dresden als künftiges Vorbild

Henning Zander

Im Vergleich deutscher Großstädte hat Berlin als Wirtschaftsstandort immer noch nicht aufgeholt. Im Städteranking der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und des Magazins „Wirtschaftswoche“, das am Freitag in Berlin vorgestellt wurde, kommt die Hauptstadt nur auf einen mageren 48. Platz. Insgesamt wurden Wirtschaftsdaten von 50 Städten miteinander verglichen. Untersucht wurden unter anderem das durchschnittliche Einkommen oder die Höhe der Arbeitslosigkeit. Hinter Berlin liegen lediglich Gelsenkirchen und als Schlusslicht Rostock. München hat wie auch schon im vergangenen Jahr den Titel als wirtschaftlich erfolgreichste Stadt Deutschlands verteidigt.

„Die katastrophale Lage auf dem Arbeitsmarkt zieht die Hauptstadt nach unten“, sagte Klaus Methfessel, stellvertretender Chefredakteur der „Wirtschaftswoche“. Berlin biete von allen Großstädten die mit Abstand schlechteste Versorgung mit Arbeitsplätzen. Die Hauptstadt habe im Vergleich die vierthöchste Arbeitslosenquote und den vierthöchsten Anteil an Hartz-IV-Empfängern. Nach dem Ranking ist ein großes Problem Berlins außerdem eine besonders niedrige Dichte an Ausbildungsplätzen.

Die Senatsverwaltung für Wirtschaft hält das Ranking für wenig aussagekräftig. „Es betont die Faktoren, die Berlin runterziehen, sehr stark“, sagte Sprecher Christoph Lang. Berlin stecke mitten im Strukturwandel. Die Schwächen auf dem Arbeitsmarkt, die hohe Verschuldung und die damit verbundenen vergleichsweise niedrigen Investitionen seien bekannt. „Berlin hat eine schwierige Ausgangslage im Vergleich zu den anderen Großstädten. Hier musste die Vereinigung gleich zwei Mal bewältigt werden“, sagte Karl Lichtblau, Leiter des Rankings. Besonders falle die Zusammenlegung von zwei Stadtverwaltungen ins Gewicht, die erhebliche Kosten verursacht habe. Es sei deshalb schwierig zu sagen, dass Berlin sich am Primus München orientieren solle. Der wirtschaftliche Erfolg Münchens sei auch dadurch bedingt, dass nach dem Krieg große deutsche Konzerne ihren Sitz von Berlin in die bayerische Hauptstadt verlegt hätten. Davon profitiere München noch heute. Viel mehr müsse man von Dresden lernen, das sich mit einem Sprung von Platz 30 auf Platz 10 verbesserte. An fast keinem anderen Ort ist nach Zahlen aus dem Ranking in den vergangenen Jahren so viel investiert worden. Gleichzeitig ist das Einkommen der Beschäftigten stärker als im Bundesdurchschnitt gestiegen. Auch die Beschäftigung der älteren Arbeitnehmer über 55 liegt in Dresden weit über dem Bundesdurchschnitt.

Nach Auffassung der Berliner Wirtschaftsverwaltung überwiegen jedoch die Unterschiede zwischen den beiden Städten. „Als Hauptstadt übernimmt Berlin ganz andere Lasten als Dresden“, sagte Sprecher Lang. „Wenn dort 1000 Arbeitsplätze geschaffen werden, fällt das bei der deutlich kleineren Stadt natürlich mehr ins Gewicht.“ Berlin als Metropole sei außerdem bei Migranten sehr attraktiv, unter denen die Arbeitslosigkeit sehr hoch sei.

Trotz der schlechten Voraussetzungen scheint die wirtschaftliche Dynamik Berlins nach dem Ranking zu wachsen. Die Hauptstadt ist als Firmensitz wieder gefragter und liegt auf einem guten vierten Platz. Vergleicht man die wirtschaftliche Dynamik der einzelnen Städte, konnte sich Berlin sogar um zwei Plätze von Rang 46 auf 44 vorarbeiten. Positiv wirkten sich für Berlin unter anderem die niedrigen Büromieten aus. „Großes Potenzial gibt es in Berlin in der Forschungslandschaft. Mit ihren großen Universitäten steht die Hauptstadt auf diesem Gebiet sehr gut da“, sagte Ranking-Leiter Lichtblau. Hier sieht auch die Senatsverwaltung für Wirtschaft Möglichkeiten für eine dynamische Entwicklung.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben