Wirtschaft : Nur jeder fünfte Ost-Baubetrieb macht Gewinn

Kapella und Heidelberger Zement mit Umsatzplus / Negatives Ergebnis bei Bilfinger & Berger BERLIN / MANNHEIM (mot/dpa/rtr).Für Lohnzurückhaltung in der ostdeutschen Bauwirtschaft hat sich das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) ausgesprochen.Die von der Gewerkschaft geforderte Anhebung der Einkommen um vier Prozent in der bevorstehenden Tarifrunde werde die Probleme der Branche im Osten auf jeden Fall verschärfen, sagte IWH-Konjunkturexperte Udo Ludwig am Donnerstag in Berlin auf der Baufachmesse "bautec".Über einen Inflationsausgleich hinaus sollten die Einkommen nicht angehoben werden.Wie lange der Bereinigungsprozeß und der "normale" Abbbau der Überkapazitäten in der ostdeutschen Bauwirtschaft noch anhalte, sei offen.In diesem Jahr sei er aber mit Sicherheit noch nicht beendet, sagte Ludwig.Zu erwarten sei ein weiterer Verlust von 30 000 Arbeitsplätzen.Nach Schätzungen des IWH sind etwa 15 Prozent der Unternehmen akut gefährdet.Gerade jeder fünfte Baubetrieb im Osten erwirtschafte "normale bis satte Gewinne", je ein Viertel erreichten geringe Gewinne oder arbeiteten gerade kostendeckend.Derzeit sind in der Ost-Bauwirtschaft etwa 400 000 Beschäftigte tätig. Der Berliner Familienbetrieb Kapella Baustoffe GmbH erwartet trotz rückläufigen Bauvolumens in der Region für 1998 einen leichten Umsatzanstieg.Nach einem Plus von drei Prozent auf 280 Mill.DM im vergangenen Geschäftsjahr werde wieder mit einem leichten einstelligen Zuwachs gerechnet, sagte Geschäftsführer Fred Kapellla auf der "bautec".Sollte es eine stärkere Nachfrage für Serviceleistungen geben, sei eine Aufstockung des Personalbestands um fünf Prozent denkbar. Der Baustoffhersteller Heidelberger Zement AG teilte auf der "bautec" mit, das Unternehmen habe seinen Umsatz 1997 um zehn Prozent erhöht und damit deutlich über den ursprünglichen Erwartungen gelegen.Der Konzern habe von einem guten Auslandsgeschäft und dem hohen Dollarkurs profitiert, sagte Vorstandschef Rolf Hülstrunk.Bei einem Umsatz von über sieben Mrd.DM werde trotz höherer Steuerbelastung der Ertrag das Vorjahresniveau haben.1996 waren vor Steuern 645 Mill.DM und ein Jahresüberschuß von 502 Mill.DM ausgewiesen worden. Die Krise der deutschen Baubranche und der Verfall asiatischer Währungen hat ein Loch in die Auftragsbücher des Baukonzerns Bilfinger & Berger gerissen.Das Unternehmen teilte in Mannheim mit, Ende 1997 habe der Auftragsbestand mit 8,775 Mrd.DM um zwölf Prozent unter dem Vorjahreswert gelegen.Wie bereits angekündigt, erzielte Bilfinger im vergangenen Jahr einen deutlich niedrigeren Gewinn als im Vorjahr.1996 hatte der Konzern einen Überschuß von 92 Mill.DM ausgewiesen.Für 1997 soll die Dividende erneut niedriger ausfallen.Im Inland baute Bilfinger weiter Stellen ab.Die Bauleistung stieg 1997 um vier Prozent auf 9,62 Mrd.DM.1998 rechnet Bilfinger nach früheren Angaben im Inland mit einem Rückgang der Leistung um 15 Prozent.Im Ausland werde sich die Bauleistung voraussichtlich stabil entwickeln.Im laufenden Jahr will der Konzern ein deutlich besseres operatives Ergebnis erwirtschaften.Ende 1997 hatte Bilfinger weltweit 57 650 Beschäftigte, in Deutschland sank die Mitarbeiterzahl um 1486 auf 12 200.

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