• Nur jeder Vierte glaubt an den Standort Deutschland Forsa-Umfrage vor Innovationsgipfel des Bundeskanzlers belegt düsteres Selbstbild der Bundesbürger

Wirtschaft : Nur jeder Vierte glaubt an den Standort Deutschland Forsa-Umfrage vor Innovationsgipfel des Bundeskanzlers belegt düsteres Selbstbild der Bundesbürger

Moritz Döbler

Berlin - Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) will heute auf mehreren Veranstaltungen die Innovationskraft Deutschlands vorantreiben – dass das nötig ist, zeigt eine Forsa-Umfrage, die dem Tagesspiegel exklusiv vorliegt. Als innovativstes Land nennen die 1000 befragten Bundesbürger die USA, gefolgt von Japan, China, Frankreich, Schweden und auf dem sechsten Platz Deutschland. Von der Wirtschaftskraft ihrer Heimat sind die Deutschen nicht überzeugt. Nur 23 Prozent werten sie als gut oder sehr gut, während Umweltschutz und Lebensqualität auf doppelt so gute Ergebnisse kommen.

Dass Deutschland ein guter Standort für Unternehmen ist, glauben lediglich 26 Prozent der Anfang der vergangenen Woche befragten Bürger. Rund 60 Prozent sehen ihre Heimat aber als ein modernes Land, 45 Prozent heben die hohe soziale Absicherung als typisch deutsch hervor.

In Auftrag gegeben wurde die Umfrage von den „Partnern für Innovation“, einer von der Bundesregierung Anfang 2004 gestarteten Initiative, in der Unternehmen – darunter Siemens, die Deutsche Telekom und Schering – und Verbands- und Gewerkschaftsvertreter sowie Wissenschaftler mitarbeiten. Unter der Leitung Schröders berät die Initiative heute in Berlin über neue Ergebnisse und Projekte.

Der Bundeskanzler hat die Initiative als zweiten Teil seiner Agenda 2010 bezeichnet, mit der er vor zwei Jahren im Bundestag umfassende Reformen des Arbeitsmarkts und des Sozialstaats angekündigt hat. Nur innovative Produkte sicherten Deutschland einen Platz in der Weltspitze, sagte er.

Zuletzt waren die „Partner für Innovation“ im vergangenen Dezember zusammengekommen. Als ein konkretes Projekt wurde die intelligente Steckdose vorgestellt, die erkennt, wann Strom billig ist. Ferner wurden die energieeffiziente Schule und das „digitale Krankenhaus“ genannt, bei dem moderne IT-Technologien für die Dokumentation von Patientendaten eingesetzt werden. Seit einem Jahr sucht die Initiative in 13 Fachgruppen Innovationsfelder mit hohen Chancen für die Zukunft Deutschlands.

Immerhin glaubt etwas mehr als ein Drittel der Befragten, dass Deutschland in den vergangenen zwei Jahren innovativer geworden ist, und wie bei vielen Antworten sind die unter 30-Jährigen auch hier deutlich positiver eingestellt.

Jeder zweite Befragte verbindet mit dem Begriff „Innovation“ Chancen, jeder dritte Risiken. Neue Arbeitplätze erwarten 45 Prozent, den Verlust von Arbeitsplätzen 23 Prozent. Arbeiter sind skeptischer: Ihre Einschätzung, ob Innovationen Arbeitsplätze bringt oder kostet, hält sich die Waage. Besonders positiv ist der Begriff bei den höher Gebildeten und bei den Selbstständigen besetzt.

„Made in Germany“ ist für knapp zwei Drittel der Deutschen ein Gütesiegel beim Einkaufen. Nur bei älteren Befragten, bei Arbeitern und in den neuen Bundesländern ist dieser Wert deutlich höher. Nur jeder zweite Selbstständige glaubt noch an den Slogan, der das Wirtschaftswunderland groß gemacht hat.

Der Unternehmensberater Roland Berger sieht dennoch positive Anzeichen. „Immer mehr Menschen verstehen, wie wichtig Innovationen sind, um unsere Wirtschaft zu stärken. Ein positives Innovationsklima bringt am Ende zusätzliches Wachstum, neue Arbeitsplätze und mehr Wohlstand für alle am Standort Deutschland.“

Neben dem „Innovationsgipfel“ stellt der Kanzler heute auch die Initiative „Jugend denkt Zukunft“ vor, die Jugendliche für Forschung und Entwicklung begeistern soll, und eröffnet die T-Laboratories in Berlin, eine zentrale Forschungseinrichtung der Deutschen Telekom.

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