Wirtschaft : Nur keine Call-Center

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Hochprofessionell, gut ausgebildet, schnell und vor allem preiswert: Die Deutsche Bank hat das Potenzial indischer Software und Computerexperten früh erkannt und bereits 1992 in Bangalore die Deutsche Software India gegründet. Hauptaufgabe: Die Entwicklung von Software für das Bankgeschäft. Der Einstieg hat sich ausgezahlt, nicht nur durch die Ideen, die aus Bangalore in den gesamten Konzern getragen wurden, sondern längst auch in Euro und Cent. 2001 gab die Deutsche Bank die Mehrheit ihrer Tochterfirma, die damals rund 500 Mitarbeiter besaß, an die indische HCL Technologies ab, die mittlerweile alle Anteile besitzt. Trotzdem arbeitet die ehemalige Tochter weiter für die größte deutsche Bank.

Die setzt inzwischen auch im Zahlungsverkehr auf Indien: 2003 wurde die Deutsche Nets aus der Taufe gehoben. Sie ist von Bangalore und Mumbai aus für die Abwicklung des weltweiten Großzahlungsverkehrs und den elektronischen Zahlungsverkehr zuständig, mit rund 250 Mitarbeitern. Call-Center in Indien etwa für das Privatkundengeschäft in Deutschland und Europa sind für die Deutsche Bank in Indien allerdings kein Thema. „Das ist zu weit weg, Call-Center sind bei uns in der Region angesiedelt“, sagt Pressesprecher Klaus Thoma. Immer wichtiger wird der Subkontinent aber für das eigentliche Bankgeschäft. 500 Mitarbeiter sind für die Deutsche Bank schon jetzt im indischen Firmenkundengeschäft tätig.

Für die anderen Frankfurter Großbanken ist Indien dagegen kein Thema – weder für die Software-Entwicklung noch für die Programmierung. „Zu weit weg“, heißt es bei Commerzbank und Dresdner Bank. Dort konzentriert man sich eher auf Osteuropa. Doch die Call-Center für das Privatkundengeschäft belassen die beiden Institute im eigenen Land. Wichtiger als Deutschland sind für die indische Software-Industrie ohnehin die USA: 80 Prozent der Einnahmen resultieren aus Aufträgen und Geschäften mit US-Banken und anderen US-Firmen. ro

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