Wirtschaft : Nur mäßige Zahlen bei den Großbanken

FRANKFURT (MAIN) (kr/qdt/HB).Auf den ersten Blick nehmen sich die Halbjahreszahlen der großen deutschen Geldhäuser ordentlich aus.Begünstigt von der Hochstimmung an den westlichen Finanzmärkten, haben die Institute ihre Erträge aus dem Wertpapiergeschäft und der Vermögensverwaltung auf neue Rekordmarken getrieben.Gut verdient haben die Banken auch im Eigenhandel, die nicht realisierten Kursreserven in den Wertpapierbeständen und Finanzanlagen nahmen nochmals kräftig zu.Das Ertragswachstum im Zinsgeschäft litt dagegen unter anhaltender Auszehrung.

Ein zweiter Blick offenbart aber, daß dies nur die halbe Wahrheit ist.Bei genauerem Hinschauen werden einige Schwachstellen erkennbar: wie die Tatsache, daß die Aufwendungen bei den drei Frankfurter Großbanken merklich stärker gestiegen sind als die Erträge.Bei der Deutschen Bank hat sich der Verwaltungsaufwand im Berichtshalbjahr um ein Zehntel erhöht, während die Summe der Erträge nur um 8,7 Prozent geklettert ist.Bei der Commerzbank sind die Aufwendungen um 14,3 Prozent, bei der Dresdner Bank um 15,0 Prozent emporgeschnellt; die Erträge dagegen konnten lediglich um jeweils gut zehn Prozent ausgeweitet werden.Angesichts der Ausbaupläne im Investment Banking besteht bei der Commerzbank zudem die Gefahr, daß sich die Ertragsschere noch weiter öffnen wird.Der Vorstand der Deutschen Bank hingegen zeigt sich zuversichtlich, daß die Kostensteigerungsrate im zweiten Halbjahr sinken dürfte.

In einer günstigeren Lage befinden sich die Bayern.Ihrem Proforma-Status zufolge steht einer Zunahme der Erträge um 11,1 Prozent ein Kostenanstieg um lediglich 7,3 Prozent gegenüber.Positive Folge: Bei der künftigen HypoVereinsbank hat sich die Aufwandsrentabilität von 59,6 Prozent auf 57,9 Prozent verbessert.Das Betriebsergebnis ist trotz erhöhter Vorsorgeaufwendungen für Kredite um ein Fünftel gewachsen.

Bei allen Wertungen gilt es, die stark eingeschränkte Aussagefähigkeit eines Quervergleichs zu berücksichtigen.Erst zwei der vier Großen bilanzieren nach IAS-Regeln (International Accounting Standards).Dresdner Bank und Bayerische Hypo- und Vereinsbank erstellen ihre Ausweise noch nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuches - und zwischen beiden Bilanzierungsmethoden liegen Welten.Die von der Deutschen Bank und der Commerzbank im Rahmen einer Segmentberichterstattung veröffentlichten Zahlen zur Entwicklung der einzelnen Unternehmensbereiche lassen sich wegen unterschiedlicher Abgrenzung der Tätigkeitsfelder ohnehin nicht miteinander vergleichen.

Kein Wunder, daß die Analysten enttäuscht sind: Viele rechnen jedoch damit, daß die immer wieder aufflammenden Fusionsgerüchte die Aktienkurse der Branche nach oben treiben werden.Im Gesamturteil über die Branche entschließen sich daher die meisten Experten für ein "Halten".Dennoch sind gewaltige Unterschiede zwischen den einzelnen Geldhäusern zu berücksichtigen: Die Commerzbank-Aktie zeigt die zweitschlechteste Kursentwicklung unter den 30 Werten des Deutschen Aktienindexes (Dax).Die Deutsche Bank belegt einen wenig glamourösen Platz 25, die Dresdner ist Nummer 20.Lediglich die Vereinsbank hat es geschafft, mit Platz zehn ins erste Drittel der Rangliste vorzudringen.



"Abgesehen von der Vereinsbank haben alle Großbanken die Prognosen der Analysten deutlich verfehlt", macht WestLB-Analyst Georg Kanders seiner Enttäuschung Luft.Bei der Deutschen Bank moniert er den Rückgang des Zinsüberschusses, bei der Dresdner das unbefriedigende Handelsergebnis und den nur schwach gestiegenen Provisionsüberschuß.Bei der Commerzbank ziehe sich die Schwäche durch alle Bereiche.Vor allem die Fusionsphantasien sorgen noch für Luft nach oben bei den Bankwerten: In Deutschland gilt, daß jeder mit jedem zusammengehen könne, meint Kanders.Markus Strigl von Trinkaus & Burkhardt: "Wenn das Spekulationsfeuer einmal gezündet hat, dann kommen die Kurse nicht ohne weiteres wieder auf ihr vorheriges Niveau zurück.

Bei aller Fusionseuphorie gilt es jedoch, die Fundamentaldaten weiterhin im Auge zu behalten.Und die Aussichten für das zweite Halbjahr 1998 sind nicht allzu rosig: Einmal, weil der Wettbewerb der Banken härter wird und weiter auf Zinsmargen und Provisionüberschüsse drückt.Zudem sind die Analysten zunehmend davon überzeugt, daß weitere Wertberichtigungen aufgrund der Asienkrise anfallen können.Außerdem könnten Rückstellungen für Kredite gegenüber Rußland nötig werden.

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