Wenn alle teilen, können alle mehr nutzen

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Nur nutzen, nicht kaufen : Wie die Share Economy unsere Gesellschaft verändert
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Auto, Haus, Geld: Alles lässt sich heute bequem mit anderen teilen.
Auto, Haus, Geld: Alles lässt sich heute bequem mit anderen teilen.Montage: Tsp

Doch auch wenn Eigentum weniger wichtig wird, heißt das nicht, dass Verbraucher weniger konsumieren. „Die Frage ist, wofür Menschen das Geld ausgeben, das sie sparen, weil sie Dinge teilen“, sagt Professor Loske. Es mag diejenigen geben, die Güter teilen, weil es ökologisch sinnvoll und nachhaltig ist. Es gibt aber auch viele Menschen, die das nur tun, um insgesamt mehr Dinge nutzen können. Statt CDs zu kaufen, zahlen Verbraucher heute eher für einen Streaming-Dienst, der ihnen Zugriff auf eine Vielzahl an Songs verschafft. Modebegeisterte schließen sich im Netz mit anderen zusammen und tauschen Klamotten – nicht um weniger zu kaufen, sondern um mehr zu tragen. Die Share Economy ist deshalb nicht das Ende der Konsumgesellschaft. Sie ist ein immer wichtiger werdender Teil von ihr.

Dabei ist der Begriff der Share Economy ein Widerspruch in sich. Denn Teilen versteht man eigentlich als einen Ausdruck von Hilfsbereitschaft. Wer seinem Nachbarn am Sonntag ein Paket Mehl leiht, wird dafür kaum Geld verlangen. Doch die Firmen, bei denen es zum Geschäftsmodell gehört, dass ihre Nutzer etwas teilen, wollen daran verdienen: Sie machen aus etwas, was früher selbstverständlich war, ein bezahlbares Gut. Blogger Sascha Lobo nennt das „Plattformen-Kapitalismus“.

Gewerkschaften sehen das Modell kritisch

So vermarktet das Start-up Mila mit Sitz in Berlin und Zürich Nachbarschaftshilfe. Über das Onlineportal sollen Menschen zum Beispiel jemanden finden, der ihre Blumen gießt, wenn sie verreisen. Oder der für sie einkaufen geht, wenn sie krank im Bett liegen. Und zwar gegen Geld. Mila verdient pro Deal acht Prozent Provision. Gründer Manuel Grenacher findet das nicht verwerflich. „Wir machen Menschen das Leben einfacher“, sagt er. Die einen bekämen Hilfe, die anderen könnten etwas dazuverdienen.

Gewerkschaften sehen die Angebote der Share Economy dagegen kritisch. Sie fürchten, dass ein neuer Niedriglohnsektor entsteht. Nur wer seine Leistung im Netz möglichst billig mit anderen teilt, kommt zum Zug. Wer zum Beispiel für den Fahrdienst Uber Menschen von A nach B bringt, verdient viel weniger als ein Taxifahrer. „Die Digitalisierung schafft einen erheblichen politischen Handlungs- und Regulierungsbedarf“, heißt es bei der IG Metall.

Die Politik muss umdenken

Regeln und Gesetze für die Start-ups der Share Economy aufzustellen, ist allerdings schwierig. Die meisten Anbieter agieren weltweit, nationalen Vorgaben entziehen sie sich schlichtweg. Die Politik hat das Problem erkannt – und die Share Economy auf die Agenda des nächsten Weltwirtschaftsforums in Davos gesetzt. Die Diskussion über die neue Form des Teilens hat gerade erst begonnen.

Was im Internet alles geteilt wird, lesen Sie hier.

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