Nutella wird ein bisschen "gerechter" : Ferrero entdeckt den fairen Handel

Der Kakao für Nutella, Hanuta und Co soll zunehmend aus nachhaltigem Anbau kommen. Auch Mars denkt um und bezieht eine Kakao-Menge, die der aller in Deutschland verkauften Twix-Riegel entspricht, aus Fairtrade-Programmen.

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Bis 2020 soll jeder Kakao, der in Nutella verarbeitet wird, aus nachhaltigem Anbau kommen.
Bis 2020 soll jeder Kakao, der in Nutella verarbeitet wird, aus nachhaltigem Anbau kommen.Foto: p-a/dpa

Berlin - Besseren Gewissens naschen: Die Süßwarenfabrikanten Mars und Ferrero wollen spätestens 2020 nur noch Kakao aus nachhaltigem Anbau verarbeiten. Auf einer vom Verein Transfair initiierten Konferenz in Berlin erklärte Stephan Nießner, Deutschlandgeschäftsführer des italienischen Unternehmens, Ferrero werde allein in den kommenden zwei Jahren 20 000 Tonnen Fairtrade-Kakao kaufen. Von Ferrero kommen unter anderem die Haselnusswaffel „Hanuta“, die „Kinder“-Schokolade und die Nuss-Nougatcreme „Nutella“. Mit dem blau-grünen Siegel, das der Verein vergibt, wird der Hersteller auf Etiketten jedoch vorerst nicht werben. Dazu ist nur berechtigt, wer alle Zutaten aus gerechterem Handel bezieht.

Vorwürfe: Schokoladenhersteller dulden Kinderarbeit

Bereits vor einigen Wochen hatte der US-amerikanische Konzern Mars ein umfassendes Engagement im Bereich Fairtrade angekündigt. Vereinzelte Artikel der Mars-Gruppe sind schon zertifiziert, so der Schokoriegel „Balisto“. Immer wieder wurde großen Schokoladenfirmen in den zurückliegenden Jahren vorgeworfen, dass sie Kinderarbeit und Ausbeutung auf Kakaoplantagen zumindest duldeten. Laut Transfair wurden 2013 etwa 1200 Tonnen fair gehandelter Kakao in Deutschland eingesetzt, das entspricht einem Marktanteil von gerade einmal 0,2 Prozent. Diese Menge soll sich 2014 immerhin versechsfachen.

Die Kooperationen entstanden im Rahmen eines neuen Programms, mit dem Transfair künftig nicht mehr nur Endprodukte, sondern auch das Einkaufsverhalten auszeichnen will. Rewe, Lidl, Kaufland und die Confiserie Riegelein verpflichteten sich vertraglich ebenfalls, „fairen“ Kakao zu kaufen. In einem weiteren Schritt sollen Zucker- und Baumwollpartnerschaften geschlossen werden. Diese Herangehensweise soll Kleinbauern zusätzliche Absatzchancen eröffnen.

Verein warnt, es drohe ein Mangel an Rohstoffen

Auma Obama, Gründerin der kenianischen Sauti-Kuu-Stiftung, die sich für Kinderrechte einsetzt, und Halbschwester des US-Präsidenten, betonte auf der Konferenz: „Nur durch echte wirtschaftliche Partnerschaften gibt es für Menschen in sogenannten Entwicklungsländern einen Weg aus der Armut.“ Der Verein Transfair warnte, ohne deutliche Verbesserungen der Arbeitsbedingungen könnten bald nicht mehr genug Bauern bereit sein, Kakao anzubauen.

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