Nutzfahrzeuge : Piëchs Laster

Pläne für einen Lkw- und Nutzfahrzeugkonzern aus Scania und MAN unter VW-Regie nehmen Gestalt an.

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Brumm, brumm.
Brumm, brumm.Foto: dapd

Berlin - Die Fäden laufen – wie könnte es anders sein – bei Ferdinand Piëch zusammen. Der Aufsichtsratschef von Volkswagen will schon seit langem die beiden Lkw-Hersteller Scania und MAN, an denen VW maßgeblich beteiligt ist, zu einem einzigen Nutzfahrzeugunternehmen zusammenbringen. Unter dem Dach des VW-Konzerns. Nun scheinen sich die Dinge im Sinne Piëchs zu bewegen.

Man sei zu der Überzeugung gelangt, „dass eine volle Realisierung von Synergien nur durch eine Kombination der beiden Unternehmen erreicht werden könne“, teilte Scania am Montag in Stockholm mit. Das Stichwort „Synergien“ kam vor allem an der Börse gut an. Die im Dax notierte MAN- Aktie schoss um zeitweise sieben Prozent nach oben, auch der VW-Kurs stieg um 2,5 Prozent. Verschiedenen Berichten und informierten Kreisen zufolge steht hinter der Mitteilung von Scania die Absicht von VW, sein Beteiligungsgeflecht neu zu ordnen – mit dem Ziel, den großen Lkw-Hersteller zu schaffen.

Auf Druck Piëchs hatten Scania und MAN vor Monaten Verhandlungen über eine technische Zusammenarbeit aufgenommen. Fortschritte gab es allerdings kaum, schließlich stehen beide als selbstständige Unternehmen im Wettbewerb. Der in Wolfsburg erwünschte Austausch von Ergebnissen der Forschung und Entwicklung ist kompliziert. Auch wettbewerbsrechtliche Gründe sind offenbar ein Hindernis. Und verletzte Egos: MAN hatte 2007 vergeblich versucht, Scania zu übernehmen. Gescheitert war der Münchener Konzern am Widerstand des VW-Großaktionärs. VW baute anschließend seine Scania-Beteiligung aus, indem es die Aktien des Großaktionärs Wallenberg übernahm.

Geht es nach Piëch, könnten die Hürden nun aus dem Weg geräumt werden. Nach den offiziell nicht bestätigten Plänen soll VW zunächst seine MAN-Anteile in Höhe von rund 30 Prozent an Scania verkaufen. Gleichzeitig will VW dem Vernehmen nach seine Beteiligung an Scania auf bis zu 80 Prozent der Stimmrechte ausbauen, im Rahmen einer Kapitalerhöhung und durch die Übernahme der Scania-Anteile, die noch bei MAN liegen. Anschließend soll Scania – mit dem starken Großaktionär VW im Rücken – MAN übernehmen.

Finanziell wäre dies für Volkswagen verkraftbar: Die Nettoliquidität lag Ende September bei fast zwanzig Milliarden Euro. Doch die Reserven müssten wohl nicht allzu sehr strapaziert werden. „Durch einen Verkauf seiner MAN-Beteiligung an Scania könnte Volkswagen nach aktuellem Kurs einen Betrag von rund 3,7 Milliarden Euro einnehmen“, rechnet NordLB-Analyst Frank Schwope aus. Scania wiederum müsse ein Übernahmeangebot für die restlichen MAN-Aktien abgeben. VW wäre als Großaktionär an der Finanzierung beteiligt. An der Börse sind 70 Prozent an MAN derzeit mehr als acht Milliarden Euro wert.

In der Regie von VW soll Scania offenbar das Heft jetzt in die Hand nehmen, nachdem das Nebeneinander der Konzerne nicht funktioniert hat. Schwope verwies auf eine Vereinbarung zwischen Piëch und den Wallenbergs, der zufolge Scania ein selbständiges Unternehmen bleiben soll. Entsprechend widerwillig wurden die Gerüchte am Montag bei MAN kommentiert. „MAN ist ein erfolgreiches deutsches Traditionsunternehmen mit einer selbstbewussten Belegschaft“, teilte der bayerische IG-Metall- Bezirksleiter Jürgen Wechsler mit. Eine stärkere Zusammenarbeit sei wünschenswert, eine Übernahme nicht.

Ein VW-Sprecher sagte lediglich: „Wir unterstützen die Gespräche der beiden Unternehmen.“ In Wolfsburg ist man vorbereitet: Das Vorstandsressort „Nutzfahrzeuge“ wurde bereits eingerichtet.

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