Wirtschaft : Oberschöneweide vor dem Aus

KWO-Mutter BICC und NKF legen Kabelgeschäft zusammen / Streit um Fördergelder BERLIN (hej).Dem Standort Oberschöneweide der BICC KWO Kabel GmbH droht das Aus.Am Donnerstag gaben die britische Mutter BICC und die niederländische Kabel-Unternehmensgruppe NKF Holding N.V.bekannt, daß sie als Reaktion auf die deutlichen Preisrückgänge und Überkapazitäten auf dem deutschen Kabelmarkt ihre Deutschland-Aktivitäten bei Starkstrom- und Kupfermeldekabeln zusammenlegen wollen.Das neue Gemeinschaftsunternehmen Kaiser KWO Kabel, an dem BICC und NKF jeweils hälftig beteiligt sind, soll seinen Sitz in Berlin haben und zum 1.Oktober dieses Jahres gegründet werden. Mit dem Joint-venture ist ein erheblicher Abbau von Arbeitsplätzen verbunden.Von den zusammen etwa 1200 Stellen werde wahrscheinlich die Hälfte wegfallen, hieß es.Die Fertigung von Kupferfernmeldekabeln soll bei BICC KWO Kabel in Berlin-Köpenick konzentriert werden, die Produktion der zu NKF gehörenden Nokia Kabel GmbH in Nürnberg wird entsprechend der Nachfrage reduziert.Bei den Starkstromkabeln soll dagegen die Fertigung künftig ausschließlich bei der Kaiser Kabel GmbH in Berlin-Neukölln erfolgen, der Traditionsstandort Oberschöneweide der Kabelwerke Oberspree mit seinen derzeit noch knapp 500 Mitarbeitern, soll geschlossen werden.Bei Kaiser in Neukölln wird auch die gemeinsame Verwaltung angesiedelt.Das neue Gemeinschaftsunternehmen soll von den bisherigen Geschäftsführern der Kaiser Kabel GmbH, Günter Beining, und der BICC KWO Kabel GmbH, Matthias Rasch, geleitet werden.Sprecher der Geschäftsführung soll Beining werden. Hintergrund des Joint-ventures ist die schwierige Marktlage in der Kabel-Branche.Zwischen 1992 und 1996 sank der Preis für Nieder- und Mittelspannungskabel um 30 bis 40 Prozent, berichtet Beining.Seit Anfang dieses Jahres seien die Preise noch einmal um 50 Prozent eingebrochen.Während KWO seit jeher gegen die roten Zahlen ankämpft, droht auch Kaiser in diesem Jahr erstmals ein negatives Ergebnis. Die Belegschaft bei KWO in Oberschöneweide reagierte auf die Nachricht entsetzt."Die Mitarbeiter sind deprimiert", sagt der Betriebsrats-Vorsitzende Gerhard Hörr.Immerhin steht das Aus am Ende eines langjährigen Auszehrungsprozesses.1990 hatte KWO noch 6000 Arbeitnehmer, 1993 nach der Übernahme durch BICC immerhin noch 2000 Beschäftigte.In Köpenick und Oberschöneweide arbeiten heute noch 730 Beschäftigte bei KWO.Auch bei der Senatsverwaltung für Wirtschaft reagierte man betroffen.In einem Gespräch mit den Verantwortlichen will Senator Pieroth nun "retten, was noch zu retten ist".Zudem geht es um Rückforderungen in Millionenhöhe.In den Jahren 1992 bis 1994 hatte KWO insgesamt einen zweistelligen Millionenbetrag aus der GA-Förderung erhalten.Nachdem der Standort Oberschöneweide nun vor dem Aus steht, will das Land einen "erheblichen" Teil der Fördergelder zurückhaben.

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