Wirtschaft : Oberstes Gebot: Planungssicherheit

Welche Laufzeit ist bei einem Darlehen zum Immobilienkauf die bessere Variante – 10, 15 oder 20 Jahre?

WAS STEHT INS HAUS?

Wir stehen nach langer Suche kurz vor dem Kauf einer Immobilie. Wir haben zwar Rücklagen, einen Teil des Kaufpreises müssen wir jedoch finanzieren. Die Finanzierung klären wir derzeit ab. Wir beschäftigen uns im Lauf der Verhandlungen mit der Frage, welche Laufzeit das Darlehen haben soll. Ich habe gehört, dass ich ein Darlehen, das eigentlich eine Laufzeit von 15, 20 oder 25 Jahren hat, in jedem Fall nach zehn Jahren kündigen kann, ohne eine Vorfälligkeitsentschädigung an die Bank zahlen zu müssen. Ist diese Information richtig? Was raten Sie uns in der jetzigen Situation?

WAS STEHT IM GESETZ?

Im neuen § 489 Abs. 1 Nr. 2 des BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) ist geregelt, dass ein Darlehensnehmer einen Darlehensvertrag, bei dem für einen bestimmten Zeitraum ein „gebundener Sollzinssatz“ (neu für: „vereinbarter Zinssatz“) festgelegt ist, in jedem Fall nach Ablauf von zehn Jahren nach dem vollständigen Empfang (des Darlehens) unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von sechs Monaten ganz oder teilweise kündigen kann. Dieses Kündigungsrecht darf nicht durch Vertrag ausgeschlossen oder erschwert werden, § 489 Abs. 4 BGB. Für Sie bedeutet dies, dass Sie Darlehensverträge mit 15, 20 oder 25 Jahren abschließen können und gleichwohl nach zehn Jahren den Vertrag kündigen können. Hinter dieser Regelung steckt ein Interessenausgleich und der Schutz des Darlehensnehmers. Der Gesetzgeber will damit marktgerechte Zinsen ermöglichen und für den Darlehensnehmer eine Umschuldung erleichtern. Wenn Sie dieses Darlehen nun gekündigt haben, müssen Sie den restlichen Darlehensbetrag allerdings binnen zwei Wochen nach dem Wirksamwerden der Kündigung zurückzahlen. Gegebenenfalls mit einem neuen Kredit einer neuen Bank. Tun Sie dies nicht, dann gilt die Kündigung als nicht erfolgt und das alte Darlehen läuft zum ursprünglichen Zinssatz weiter (§ 489 Abs. 3 BGB). Es ist deshalb dringend anzuraten, sich rechtzeitig mit Ihrer oder einer neuen Bank in Verbindung zu setzen, um die Fortführung des Darlehens abzuklären.

UND WIE STEHEN SIE DAZU?

Das Kündigungsrecht des Darlehensnehmers nach zehn Jahren gewährt ein hohes Maß an Planungssicherheit. Sie können je nach Marktsituation entscheiden, ob Sie es bei den vereinbarten Konditionen belassen, oder auf noch bessere Zinsbedingungen wechseln. In Hinblick auf die derzeit günstigen Zinsen wird deshalb fast überall dazu geraten, Darlehen auf mindestens 15 Jahre abzuschießen, auch wenn diese Darlehen mit einem kleinen Zinsaufschlag teurer sind. Allgemein wird die Wahrscheinlichkeit, dass Sie in zehn Jahren auf ein noch niedrigeres Zinsniveau treffen, als ziemlich gering angesehen. Auch ich würde deshalb dazu raten, den kleinen Zinsaufschlag hinzunehmen und der Planungssicherheit den Vorzug zu geben. Freilich sollten Sie dennoch darauf achten, dass Ihnen vertraglich mehrere Sondertilgungsrechte eingeräumt werden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben