Occupy Camp am Ende : Das Ende von Deutschlands berühmtestem Zeltplatz

Sieben Monate und ein Tag: Das vielbeachtete Occupy-Camp in Frankfurt ist Geschichte. Es war ein friedliches Ende, das zur Bewegung passt. Politisch bewegt hat sie kaum etwas.

Lenz Jacobsen
"Wir sind die 99 Prozent". Der Slogan der Occupy-Bewegung. So viele waren sie in Wahrheit aber wohl nie.
"Wir sind die 99 Prozent". Der Slogan der Occupy-Bewegung. So viele waren sie in Wahrheit aber wohl nie.Foto: AFP

„Hallo“, sagt der nette Polizist. „Hallo“, sagt der nette Blockierer. „Wenn Sie nicht verletzt sind, würden wir sie dann jetzt wegtragen, ja?“ – „Ok“. Beide lächeln sich noch einmal an, dann packen der Beamte und eine Kollegin den jungen Mann unter den Armen und in den Kniekehlen und tragen ihn vom Rasen vor der Europäischen Zentralbank, setzen ihn ab, kehren zurück zu den Blockierern, den Nächsten holen.

Es herrscht beste Stimmung an diesem Mittwochmorgen in Frankfurt im Camp der Occupy-Aktivisten, das hier gerade geräumt wird. Die Sonne scheint, und im Hintergrund trommelt eine kleine Band den Begleit-Soundtrack. „Danke, dass ihr nicht aggressiv seid“, sagt ein Sprecher des Camps freundlich ins Mikro. „Schön, dass die allermeisten von Ihnen friedlich bleiben“, gibt der Polizist mit der blauen „Communicator“-Weste ein paar Meter weiter über zurück.

"Blockupy"-Proteste in Frankfurt
Die "Blockupy"-Aktionstage erreichen am Samstag ihren Höhepunkt. Zur Kundgebung am Vormittag sind schon Tausende auf den Beinen. Über den ganzen Tag werden 20 000 Teilnehmer erwartet.Weitere Bilder anzeigen
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19.05.2012 12:58Die "Blockupy"-Aktionstage erreichen am Samstag ihren Höhepunkt. Zur Kundgebung am Vormittag sind schon Tausende auf den Beinen....

Es ist ein Ende, wie es zu diesem Camp passt. Sieben Monate und ein Tag, seit der großen Auftaktdemo am 15. Oktober letzen Jahres, waren die kleine Zeltstadt rund um das riesige Euro-Zeichen vor der Europäischen Zentralbank das deutsche Symbol des Occupy-Protestes. Sieben Monate lang stand sie für eine weite verbreitet Wut auf Banken und das Finanzsystem. Am Anfang schauten viele wohlwollend und voller Hoffnung auf diese so neue, unideologische Bewegung – in den letzten Wochen und Monaten schaute kaum noch jemand hin. Weil Occupy in Deutschland nie zur Massenbewegung wurde, weil die Aktivisten sich bald mehr mit dem Ordnungsamt stritten als mit Bankern und Politikern. Doch friedlich, das waren sie wirklich immer.

Nun ist es also vorbei, erst einmal. Weil von Mittwoch bis Samstag zu den „Blockupy“-Aktionstagen auch viele gewaltbereite Linksradikale aus ganz Europa erwartet werden, hat die Stadt eine Sicherheitszone rund um die EZB errichtet. Weil das Camp genau in dieser Zone liegt, müssen die Bewohner nun raus. Seit Mittwochmorgen und bis Sonntagnachmittag gilt das Campverbot.

Bisher blieb es bei den „Blockupy“-Aktionstagen am Donnerstag friedlich. Aus Angst vor Ausschreitungen hat die Stadt aber fast alle Veranstaltungen der „Blockupy“-Tage verboten, neben Großdemonstrationen auch ein Konzert des Liedermachers Konstantin Wecker. Die Behörden fürchten, dass Randalierer die einzelnen Events als Bühne für ihre Gewalt nutzen könnten.

So wurde nun ausgerechnet das beschauliche Occupy-Camp mit seinem Infostand und seiner kleinen Gartenkräuter-Zucht das erste Opfer der anstehenden Großgefahrenlage in Frankfurt. Die Einschränkungen für die friedlichen Systemkritiker sind quasi ein Kollateralschaden der staatlichen Sorge vor gewaltbereiten Systemkritikern.

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