Wirtschaft : OECD für Zinssenkung gegen die Krise

PARIS (jod/HB).Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat die Wachstumsprognose für ihre Mitgliedsländer erneut nach unten revidiert.Ging die in Paris ansässige Organisation vor sechs Monaten noch von einer Steigerung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in den 29 wichtigsten Industrieländern um 2,5 Prozent für das Jahr 1999 aus, korrigierte sie ihre Prognose nun auf 1,7 Prozent.

Für Deutschland revidieren die Konjunkturforscher der OECD die Wachstumsaussichten 1999 von 2,9 Prozent auf 2,2 Prozent.Dafür machen sie vor allem das verschlechterte außenwirtschaftliche Umfeld verantwortlich.In den kommenden beiden Jahren werden die Netto-Exporte nicht mehr zum wirtschaftlichen Wachstum beitragen, heißt es.Demgegenüber sei die Inlandsnachfrage angezogen: Ausrüstungsinvestitionen würden weiter stark zulegen, und sogar im Baubereich würden die Investitionen wieder ansteigen.Zudem nehme auch die Konsumnachfrage zu.

Die Arbeitslosenquote in Deutschland werde von 11,4 Prozent, dem Höhepunkt im vergangenen Jahr, auf 10,3 Prozent im Jahr 2000 zurückgehen.Einen konkreten, nachweisbaren Wachstumsschub für Euroland aufgrund der Gemeinschaftswährung erwartet die OECD nicht.Stattdessen sei aber der erwartete Rückgang der Kurzfristzinsen von 3,9 Prozent in diesem auf 3,0 Prozent im kommenden Jahr auf die Konvergenzbemühungen zurückzuführen.

Trotz des für 2000 erwarteten Wiederaufschwungs sollten die Zinsen in Euroland und den USA weiter gesenkt werden, da "das inflationäre Risiko deutlich verringert oder sogar inexistent wurde".Hingegen seien neben den USA nur wenige Staaten bei der Haushaltskonsolidierung so weit fortgeschritten, daß sie bereits wieder fiskalpolitische Maßnahmen zur Konjunkturstimulierung verwenden könnten.

Die Wahrscheinlichkeit einer weltweiten Rezession sei zwar gering, stellen die Konjunkturforscher fest.Doch es gebe "beträchtliche Risiken".Unter der Voraussetzung, daß die relative Ruhe an den Weltfinanzmärkten erhalten bleibe, rechnen sie nach einer Wachstumsdelle 1999 für 2000 wieder mit einem beschleunigten Wachstum.Für den Fall eines externen Schocks, etwa durch einen Börsenkrach, ein Zusammenbrechen der brasilianischen Wirtschaft oder starker Währungsabwertungen in Fernost, entwickelte die OECD jedoch ein "worst-case"-Szenario.Diesem zufolge beträgt der Zuwachs für das kommende Jahr lediglich 0,1 Prozent.

Scharfe Kritik üben die OECD-Experten an Japan.Einer der Hauptgründe für die weitere Verschärfung der Rezession auf dem Archipel in diesem Jahr sei die zögerliche Umsetzung des Banken-Sanierungsplanes.Zudem warnen die Konjunkturforscher vor den langfristigen Folgen der hohen fiskalischen Ausgabenprogramme.Die Zinsen blieben nicht dauerhaft auf dem Rekordtief von einem Prozent, heißt es mahnend.

Die Finanzturbulenzen hätten nach der Rubel-Krise und der Kapitalflucht aus Schwellenländern ein Ausmaß erreicht, so daß nur wenige Länder davon unberührt blieben, teilte die OECD mit.Auch die zunehmende wirtschaftliche Verflechtung spiele dabei eine Rolle.Die OECD warnte vor erneuten Kursstürzen an den Aktienmärkten.Wichtig sei, daß die Länder sich nicht abschotteten, Japan seine Krise überwinde, die Schwellenländer Asiens ihren Finanz- und Unternehmenssektor umstrukturierten und Rußland sein rechtsstaatliches System stärke.

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