Wirtschaft : OECD: Krise in Asien neigt sich dem Ende zu

Weiterer Aufschwung und leicht steigende Zinsen in Deutschland vorausgesagt PARIS (dpa/rtr).Die Finanzkrise in Asien hat die Industrieländer nach Einschätzung der OECD 0,5 Prozentpunkte ihres Wachstums gekostet.Die Krise neige sich nun ihrem Ende zu.Allerdings berge die Unsicherheit in Japans Finanzsektor Risiken einer weiteren Destabilisierung, heißt es in der am Mittwoch in Paris vorgestellten Konjunkturprognose der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).Sie sagt den 29 Mitgliedstaaten für das laufende Jahr ein wirtschaftliches Wachstum von 2,4 Prozent voraus.Deutschland - das sich nach der Prognose auf leicht anziehende Zinsen vorbereiten muß - schneidet wie die Europäische Union in ihrer Gesamtheit mit einem realen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,7 Prozent deutlich besser ab. Trotz Massenarbeitslosigkeit blieben die Konjunkturperspektiven der außerhalb Asiens gelegenen Industriestaaten für 1998 und vor allem 1999 insgesamt günstig, betont die OECD.Neben niedrigen Inflationsraten sorgen dabei vor allem das Wiedererstarken der Inlandsnachfrage, die niedrigen Zinsen, moderate Lohnabschlüsse sowie zunehmende Investitionen in den Anlagebereich für Optimismus.In den USA habe die Krise sogar dazu beigetragen, eine Überhitzung der Konjunktur zu vermeiden."Während die Asienkrise für die Weltwirtschaft zweifellos einen Schock darstellt, scheinen ihre negativen Auswirkungen insgesamt betrachtet für die Staaten außerhalb Asiens begrenzt zu sein", so die Studie. Südkoreas Finanzsituation stabilisiere sich zwar allmählich, doch bleibe Japans Schwäche ein Unsicherheitsfaktor.1998 werde das Land mit einem BIP-Rückgang von 0,3 Prozent in die Rezession fallen, bevor es 1999 wieder mit 1,3 Prozent leicht aufwärts gehe.Weitere Strukturreformen seien unerläßlich. In Deutschland, wo nur geringe Auswirkungen durch die Asienkrise befürchtet werden, gewinne die bisher vor allem exportgetriebene Konjunktur ebenso wie in Frankreich an Breite.Die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen bleibe stark.Problembereich seien weiter der Bausektor sowie der hohe Stand der Arbeitslosigkeit.Er dürfte nur leicht sinken.Für Mitte 1999 sagt die OECD ein Anziehen der kurzfristigen Zinsen auf vier Prozent voraus.Beim Haushaltsdefizit dürfte Deutschland mit 2,3 Prozent des BIP in diesem und im nächsten Jahr auch die für den Euro wichtige Maastricht-Forderung der Nachhaltigkeit erfüllen. Allerdings verweist die OECD darauf, daß eine weitere fiskalische Konsolidierung in den an der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWU) beteiligten Ländern notwendig bleibt: "Die Regierungen sollten die Gelegenheit der gegenwärtigen und vorhergesagten günstigen ökonomischen Situation für einen spürbaren Fortschritt bei der Umsetzung von Reformen nutzen." Neben einer Arbeitsmarktreform sei auch eine zügigere und kreativere Steuer- und Rentenreform, eine Umstrukturierung des Bankensektors und der Wettbewerbspolitik nötig.Die EWU werde im übrigen wahrscheinlich zu einem Stellenabbau in der europäischen Bankenbranche führen.Der Konkurrenzdruck in der Branche werde steigen.Viele Banken verlören ihren Standortvorteil bei Krediten und Einlagen in heimischer Währung. Für die USA sagen die OECD-Experten einen weiterhin günstigen Konjunkturverlauf mit 2,7 Prozent Wachstum voraus, der jedoch durch Exporteinbußen im Gefolge der Asienkrise im nächsten Jahr auf 1,9 Prozent gebremst werde.1999 könnte das Haushalts-Defizit somit auf knapp drei Prozent abrutschen (1998: minus 2,5 Prozent).

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