Wirtschaft : OECD macht Südkorea trotz Krise Hoffnung

DÜSSELDORF (kte/HB).Das Jahr 1998 wird für Südkoreas Wirtschaft das schwärzeste seit dem Koreakrieg werden.Nach 35 Jahren ununterbrochenen Wachstums, in denen das Entwicklungsland rasant zur elftgrößten Wirtschafts- und Exportnation der Welt aufstieg, dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr um real 4,7 Prozent schrumpfen.Doch schon 1999 ist wieder ein moderates Wachstum von 2,5 Prozent möglich.Zu diesem Ergebnis kommt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Erst Ende 1996 war Südkorea als 29.Mitglied in den erlauchten Kreis der führenden Industrienationen aufgenommen worden."Die Krise war eine Überraschung für Analysten," räumt die OECD nun in ihrem ersten Korea-Bericht seit 1996 ein.Noch im April hatte die OECD trotz Krise für 1998 nur mit einem BIP-Rückgang von 0,2 Prozent gerechnet.Die Stärken des Landes wie hohe Sparquoten, niedrige Inflation, geringe Leistungsbilanzdefizite und hohe Etatüberschüsse hätten die Investoren lange in falscher Sicherheit gewiegt, heißt es in der Studie.Übersehen wurden die schwache Rentabilität und die extreme Überschuldung der Unternehmen sowie das kaum überwachte, instabile Finanzsystem.Die asiatische Krise brachte diese anfälligen Wirtschaftstrukturen Ende 1997 schließlich zum Einsturz.

" Mit Hilfe des IWF, der einen Beistandskredit von 57 Mrd.Dollar gewährt, ist Seoul nun dabei, tiefgreifende Strukturreformen in Gang zu setzen.Fortschritte seien bereits bei der Liberalisierung des Investitions- und Arbeitsrecht erzielt worden, lobt die OECD.Essentiell sei die Reform des maroden Finanzsystems, das konsequent zu überwachen sei.Die überlebensfähigen Banken sollten versuchen, durch Joint-ventures mit ausländischen Banken Kapital und Management-Know-how anzuziehen.

Hohe Priorität müsse auch der Reform des Konkursrechts zukommen, das überschuldete Unternehmen noch immer nicht konsequent genug verfolge.Zudem müsse schnellstmöglich Transparenz in den Bilanzen der Unternehmen geschaffen werden.Bei der Umstrukturierung der Großkonzerne dürfe die Regierung jedoch nicht in eine dirigistische Wirtschaftspolitik zurückfallen, warnt die OECD.

Infolge der zahlreichen Konkurse ist Arbeitslosigkeit in Südkorea erstmals zum Problem geworden.Die Erwerbslosenquote dürfte 1998 auf 7 Prozent steigen.Der Arbeitsmarkt sei aber noch weiter zu flexibilisieren, so die OECD.Jedoch müßten unvermeidliche Entlassungen künftig durch ein Sozialversicherungsnetz aufgefangen werden.Denn die gesellschaftliche Solidarität sei entscheidend für die Gesundung der Wirtschaft.

Kurzfristig erwartet die OECD Einbrüche in fast allen Bereichen: Die inländische Nachfrage dürfte 1998 um 23,5 Prozent sinken, was sich auch im Rückgang der Importe um 16 Prozent ausdrückt.Durch den Abwertungsvorteil erwartet die OECD aber eine Exportsteigerung von 20 Prozent.Dies würde zu einem Rekordüberschuß in der Leistungsbilanz von 35 Mrd.Dollar führen.Die Inflationsrate dürfte auf 8,5 Prozent klettern, sich 1999 aber wieder bei 3,0 Prozent stabilisieren.Vorausgesetzt wird ein relativ stabiler Won-Kurs von 1350 zum Dollar.

Mittel- und langfristig allerdings zeigt sich die OECD optimistisch über Koreas Entwicklungspotential.Nach grundlegenden Reformen würden sich nationale Stärken Koreas wie die hohe Sparneigung, der enge soziale Zusammenhalt und der hohe Ausbildungsstand wieder bezahlt machen.

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