Öffentlicher Dienst : Tarifverhandlungen: Überstunden am Templiner See

Die Schlussverhandlungen für die neuen Tarife im öffentlichen Dienst werden kompliziert.

von
325443_0_0d17fbc0.jpg
Streitpunkt. Für Nachtarbeits- und Überstundenzuschläge im Krankenhaus muss noch eine Lösung gefunden werden. Foto: Mike Wolff

Berlin - Zu abschließenden Verhandlungen trafen Arbeitgeber und Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes am Freitag in Potsdam ein. Nach der einvernehmlichen Schlichterempfehlung vom Donnerstag – 1,2 Prozent mehr Geld in diesem und weitere 1,1 Prozent im nächsten Jahr plus Einmalzahlung von 240 Euro – müssen nun die Gremien der Tarifparteien zustimmen. Auf Seiten der Gewerkschaften war das vor allem die Bundestarifkommission von Verdi mit 120 Mitgliedern, die am Freitagnachmittag im Kongresshotel am Templiner See zusammentraf. Am gleichen Ort tagte das Präsidium der kommunalen Arbeitgeber mit 23 Mitgliedern. Für Sonnabend sind dann wiederum Verhandlungen angesetzt, an denen auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) teilnimmt. Es geht um das Einkommen von rund zwei Millionen Beschäftigten bei Bund und Kommunen; Berlin fällt nicht darunter.

In Gewerkschaftskreisen geht man davon aus, dass sich die Verhandlungen bis zum Sonntag hinziehen dürften. Die Schlichtungskommission unter Leitung der Ex-Politiker Herbert Schmalstieg (SPD) und Georg Milbradt (CDU) hatte ein Eckpunktepapier vorgelegt, das den Verhandlungspartnern noch Detailaufgaben überlässt. Das betrifft vor allem spezifische Regelungen für die Bereiche Krankenhäuser, Nahverkehr und Versorger/Entsorger. Schmalstieg warb im „Inforadio“ des RBB für den Schlichterspruch, der mit „Augenmaß“ erfolgt sei und für die Arbeitgeber den Vorteil der langen Vertragslaufzeit (26 Monate) habe.

An der Laufzeit entzündete sich im Gewerkschaftslager denn auch Kritik: „Nach 26 Monaten sind die Tarife im öffentlichen Dienst um 2,3 Prozent gestiegen, in der IG Metall aber um 2,7 Prozent, und das nur nach einer Laufzeit von 23 Monaten“, bemerkte ein Gewerkschafter. Dabei waren Verdi-Chef Frank Bsirske und Peter Heesen, Vorsitzender des Beamtenbundes, mit dem Anspruch angetreten, in diesem Jahr mehr herauszuholen als die IG Metall. Doch das Motto der Gewerkschaften, „Sozial ist, was Kaufkraft schafft“, verfing nicht.

Dennoch galt es vor der Schlussrunde am Templiner See als wahrscheinlich, dass die Gewerkschaften eher einem Gesamtpaket zustimmen würden als die Arbeitgeber. Die Vereinigung der Kommunalen Arbeitgeber (VKA) ist heterogen, und in den vergangenen Tarifrunden gab es immer wieder Konflikte zwischen nord- und süd- oder west- und ostdeutschen VKA-Mitgliedern. „Die brauchen de Maizière, um sich einigen zu können“, lästerte ein Gewerkschafter.

0 Kommentare

Neuester Kommentar