Öffentlicher Druck : Facebook will jetzt über Datenschutz reden

25.11.2011 09:18 UhrVon Anna Sauerbrey
Innovativ. Im September stellte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg in San Francisco neue Produkte vor. Foto: dapd
Innovativ. Im September stellte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg in San Francisco neue Produkte vor. - Foto: dapd

Der öffentliche Druck auf das soziale Netzwerk steigt. Jetzt reagiert das Unternehmen und stellt mehr Lobbyisten ein. Doch deutsche Datenschutzbeauftragte stehen der neuen Gesprächsbereitschaft skeptisch gegenüber.

Vor kurzem war Richard Allan, Facebooks oberster europäischer Lobbyist, zu Gast im Bundestag. Mit freundlichem Gesicht hörte er dem Bundesbeauftragten für Datenschutz, Peter Schaar, zu und nickte. Dann sagt er: „Wir wollen nicht, dass die User das Web 2.0 nur eingeschränkt nutzen können, weil ihnen rechtliche Bestimmungen übergestülpt werden.“ Das Web 2.0, damit ist Facebook gemeint. Und mit den „rechtlichen Bestimmungen“ der Datenschutz.

Allans Auftritt ist symptomatisch für Facebooks neue Strategie im Umgang mit Öffentlichkeit und Politik: Hart bleiben in der Sache, aber Präsenz zeigen und reden.

Viel reden. Deshalb sucht Facebook derzeit Verstärkung. Gleich mehrere neue Beauftragte für „Public Policy“ – also Lobbyisten – werden Allan zur Seite gestellt. In Berlin arbeitet bereits seit dem Frühjahr Eva Maria Kirschsieper als Facebook-Lobbyistin, eine weitere Kraft für die Hauptstadt wird zurzeit gesucht. In Brüssel verstärkt seit Ende Oktober die ehemalige deutsche SPD-Europaabgeordnete Erika Mann die Lobbyarbeit.

Erika Mann saß bis 2009 im europäischen Parlament, wo sie sich vor allem mit der Telekommunikationsgesetzgebung befasste und sich für Patente auf Software aussprach. 2009 wurde sie nicht wiedergewählt und arbeitete stattdessen für einen amerikanischen IT-Verband in Brüssel. Mann selbst stand für ein Gespräch nicht zur Verfügung. Doch in Brüssel erinnern sich viele noch an die Deutsche. Sie gilt auch außerhalb ihrer eigenen Fraktion als ausgesprochene Europakennerin und als sehr kompetent. Facebook habe eine sehr gute Entscheidung getroffen, sagt eine Fraktionsmitarbeiterin. „Sie ist sehr klug und ihr Adressbuch muss unglaublich sein. Ihre Gegner haben es sehr schwer.“

Erika Mann hat einen ähnlichen Werdegang wie Richard Allan, dem bislang bekanntesten Gesicht von Facebook in Europa. Auch Allan ist Ex-Parlamentarier, er saß von 1997 bis 2005 für die Liberaldemokraten im britischen Parlament und spezialisierte sich wie Erika Mann auf Technologiefragen. Deutlich jünger und weniger erfahren ist Eva Maria Kirschsieper, ihr letzter Arbeitgeber war der Deutsche Industrie- und Handelskammertag. Sie vertritt das Unternehmen in den zurzeit laufenden Gesprächen mit Datenschützern und Vertretern des Innenministeriums, die in eine Selbstverpflichtung von Facebook münden sollen. Ihr soll offenbar ein älterer Kollege zur Seite gestellt werden. Gesucht wird ein erfahrener Mitarbeiter, „jemand, der auf Ministerebene sprechen kann“, sagte eine Sprecherin des Unternehmens.

Lesen Sie auf Seite 2, warum deutsche Datenschutzbeauftragte skeptisch sind.

    Ein Service von
    Angebote und Prospekte von kaufDA.de
Sie möchten sich beruflich verändern?
Dann sind Sie hier richtig! Recherchieren Sie in den Anzeigen der letzten sechs Tagesspiegel-Ausgaben und finden Sie Ihre neue Stelle.

eMobility-Spezial

Hintergründe und Analysen zum Thema eMobility.

Das eMobility-Spezial des Tagesspiegel.

Weitere Themen

Umfrage

Thilo Sarrazin hat wieder ein Buch geschrieben. Werden Sie es lesen?

Service

Immobilien

Eigenheimfinanzierung, Mietrecht, Immobilienmarkt und mehr.

Zur Immobilienseite des Tagesspiegel.
Wie geht es weiter mit dem Euro und der EU? Foto: Reuters

Zehn Jahre Euro. Alle Artikel zur Finanzeskalation im Krisenjahr 2011, wirtschafts- und finanzpolitische Themen in unserem Themenressort.

Euro-Krise

Umfrage

Laut einer Studie erhält ein Viertel aller Beschäftigten Niedriglöhne. Wird es Zeit für einen gesetzlichen Mindestlohn?

Biowetter, Deutschlandwetter und internationales Wetter, Niederschlagsmengen, Reisewetter und aktuelle Satellitenbilder. Behalten Sie das Wetter im Griff!

Tagesspiegel Wetterseite
Foto:

Berlin maximal ist da - das erste Magazin für alle Aktiven der Berliner Wirtschaft.

    www.berlin-maximal.de