Wirtschaft : Öko-Energiequellen sprudeln schwach

DÜSSELDORF (phe/HB).Trotz aller Förderprogramme, die Bund und Länder bisher aufgelegt haben, spielen die erneuerbaren Energien hierzulande nur eine untergeordnete Rolle.Von den rot-grünen Zielen, die erneuerbaren Energien zu einer tragenden Säule der Energieversorgung zu machen, ist die Bundesrepublik noch Lichtjahre entfernt: Heute machen die Ökoenergiequellen lediglich rund zwei Prozent des Gesamtverbrauchs an Primärenergie aus.Ernüchternd ist auch eine Berechnung der Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke (VDEW): Vom gesamten Stromverbrauch im Jahr 1997 stammten gerade einmal 4,7 Prozent des von den Stromversorgern erzeugten und von Dritten in das Netz der öffentlichen Versorgung eingespeisten Stroms aus erneuerbaren Energien - gegenüber 1996 ist das immerhin ein Anstieg von 0,2 Prozent.

Kein Zweifel: Die zahlreichen Förderprogramme, aber auch das Stromeinspeisungs- gesetz haben sich als Motor für den Ausbau der erneuerbaren Energien erwiesen.Aus einer Aufstellung des Bund/Länder-Arbeitskreises "Energie und Umwelt" geht hervor, daß 1997 die Zahl der Anlagen, in denen Energie mittels Wasser, Biomasse, Wind und Sonne erzeugt worden ist, im Vergleich zum Vorjahr um rund 18 Prozent anstieg.Insgesamt wurden rund 18 000 Anlagen betrieben, 2700 mehr als 1996.Vor allem die Photovoltaikanlagen - also jene, die Solarenergie nutzen - legten beachtlich zu.Dabei muß allerdings berücksichtigt werden, daß die Leistung jeder einzelnen Anlage äußerst gering ist.

Auch die Windkraftanlagen vermehren sich mit unglaublicher Geschwindigkeit.In der norddeutschen Tiefebene, aber auch auf den Eifelhöhen sind sie längst zur Plage geworden: 1998 waren in der Bundesrepublik bereits über 6000 Windkraftanlagen mit einer Leistung von insgesamt knapp über 3000 Megawatt installiert, vier Jahre zuvor gab es in deutschen Landen lediglich 3600 dieser Anlagen.Und es sollen noch mehr werden: Ginge es nach dem Willen des Bonner Umweltministeriums, so könnten in den kommenden zehn Jahren in Deutschland insgesamt 10 000 Megawatt Windleistung installiert werden.Bei einem konstanten Stromverbrauch käme sie dann auf einen Anteil von rund 3,5 Prozent an der Stromerzeugung.Um diese Vorgaben allerdings erreichen zu können, würden dann rund 20 000 Windräder über den Köpfen der Anwohner "säuseln".

Nun sind die Umweltpolitiker - gleich welcher Couleur - fest davon überzeugt, daß eine stärkere Nutzung der erneuerbaren Energie auch für Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung überaus positive Effekte haben wird.Neben der Computer- und Telekommunikationsbranche besäßen die Technologien zur Nutzung der erneuerbaren Energie im 21.Jahrhundert ein besonders großes ökonomisches Entwicklungspotential, heißt es in dem Bericht der Arbeitsgruppe, der von allen Umweltministern "zustimmend zur Kenntnis" genommen worden ist, geradezu euphorisch.

Der Bericht weist darauf hin, daß der Weltenergierat das jährliche Investitionspotential für diese Energietechniken weltweit auf 165 Mrd.DM zwischen den Jahren 2000 und 2010 schätzt; allein auf den EU-Markt entfallen davon 23 bis 28 Mrd.DM.Verschiedene Studien kommen zu dem Ergebnis, daß zwischen 300 000 und eine Million neue Arbeitsplätze entstehen könnten, wenn das Ziel der EU erreicht werden sollte, den Anteil der erneuerbaren Energieträger an der Energiebedarfsdeckung bis zum Jahre 2010 auf zwölf Prozent zu verdoppeln.

Welche Rolle die erneuerbaren Energien in den nächsten Jahren in Deutschland tatsächlich spielen werden, wenn die rot-grüne Bundesregierung den Ausstieg aus der Kernenergie realisiert, ist heute nur schwer abzuschätzen.Die Berechnungen der Öko-Experten erscheinen oft zu hoch - etwa im Hinblick auf die Investitionen und die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen.Die Möglichkeiten beispielsweise zur Nutzung der Wasserkraft sind weitgehend ausgereizt.

Und: Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung wird nur wach- sen, wenn die Öffentliche Hand bereit ist, beträchtliche Subventionen zu zahlen.Damit ist aber wohl kaum zu rechnen.Die finanziellen Spielräume des Bundes und der Länder sind äußerst gering - andere arbeitsplatzschaffende Maßnahmen, wie eine die Betriebe in der Bundesrepublik entlastende Unternehmensteuerreform, haben Priorität.

Hinzu kommen noch einige sachliche Bedenken gegen eine zu starke Förderung der erneuerbaren Energien in Deutschland.Vieles spricht nach Ansicht zahlreicher Experten dafür, Solaranlagen oder Windkraftanlagen nicht etwa in der Bundesrepublik, sondern in jenen Teilen der Welt aufzustellen, in denen die Sonne lange und intensiv scheint und der Wind beständig weht.Dazu sind aber internationale Absprachen und Koordinationen notwendig - eine lohnende Aufgabe für Bundesumweltminister Jürgen Trittin.

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