Öko-Reinigungsmittel : Saubermann-Image aus dem Regenwald

In Putzmitteln und Cremes stecken neuerdings Pflanzen statt Erdöl. Bei den Käufern kommt das neue Bio-Bewusstsein an. Umweltschützer sind dennoch skeptisch.

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Öl aus dem Dschungel. Um die steigende Nachfrage nach Palmöl zu decken, werden auch im sensiblen Regenwald riesige Plantagen für den Anbau angelegt – wie hier die in Indonesien.
Öl aus dem Dschungel. Um die steigende Nachfrage nach Palmöl zu decken, werden auch im sensiblen Regenwald riesige Plantagen für...Foto: Reuters

Berlin - Wie sie so durch den Garten geht, die Sonne im Rücken, und einen Apfel vom Baum pflückt, erinnert Esther Schweins an Eva aus der Bibel. Dass ihr TV-Spot an die Schöpfung erinnert, dürfte kein Zufall sein. Immerhin macht die rothaarige Schauspielerin Werbung für Öko-Putzmittel aus dem Hause Henkel. Zur „Terra“-Serie gehören Waschpulver und diverse Reinigungsmittel. Die nachwachsenden Rohstoffe, die in ihnen stecken, sollen das Öko-Gewissen der Käufer beruhigen, die hohe Putzkraft der Reiniger aber zugleich gewissenhafte Hausfrauen und Hausmänner zufrieden stellen. „Bio und Kraft“, lobt Schweins in der TV-Werbung, „so putzt man heute.“

Immer mehr Pflanzen landen heute nicht mehr auf dem Teller oder im Futtertrog, sondern werden zu Biosprit oder zu Strom verarbeitet. Oder eben zu Putzmitteln. Nachdem ökologisch bewegte Putzer bei den großen Drogerieketten jahrelang nur die Wahl zwischen „Frosch“-Neutralseife, „Frosch“-Orangen- oder „Frosch“-Essigreiniger hatten, rüsten die Händler nun auf. Neben der „Terra“-Markenware aus dem Haus Henkel bietet die Drogeriekette dm unter ihrer Eigenmarke „Denkmit nature“ Spül- und Reinigungsmittel auf pflanzlicher Basis an. Das WC-Reinigungsmittel von dm arbeitet mit einem Zuckertensid und kommt komplett ohne Erdöl aus. „Terra“ ersetzt in seinen Wasch- und Reinigungsmitteln Erdöl durch Palmkern- und Kokosöl.

Damit liegen sie im Trend. Der US-Konsumgüterkonzern Procter & Gamble träumt von einer komplett erdölfreien Zukunft im Wischeimer. In seiner „langfristigen Zukunftsvision“ verspricht er, eines Tages alle Produkte zu 100 Prozent auf Basis erneuerbarer Materialien herzustellen. Bis 2020 will man ein Viertel der Stoffe, die bislang auf Erdöl basieren, durch nachhaltig gewonnene, erneuerbare ersetzen. Das betrifft auch Körperpflegeprodukte. Bei der Haarpflegereihe „Pantene Pro-V“ verwendet Procter die Cassia-Pflanze, die wild in Indien wächst. Konkurrent Beiersdorf setzt bei seiner neuen Nivea-Serie „Pure & Natural“ auf natürliche Essenzen und Öle, darunter Extrakte aus der Klettenfrucht, Aloe Vera, Kamille und das Argan-Öl, das Berberfrauen aus Marokko herstellen.

Bei den Käufern kommt das neue Bio-Bewusstsein an. Von einer „erfreulichen Entwicklung der Absatzzahlen“ spricht Eckhard von Eysmondt, Marketingleiter für Wasch- und Reinigungsmittel bei Henkel. „Daher sind wir zuversichtlich, dass sich ,Terra’ erfolgreich im deutschen Markt etablieren wird.“ Auch bei dm ist man zufrieden: „Die Produkte werden sehr gut von unseren Kunden angenommen“, berichtet Geschäftsführer Ulrich Maith. „Eine längerfristige Ausweitung des nature-Sortiments ist zum jetzigen Zeitpunkt durchaus denkbar.“

Und das, obwohl sich die Hersteller ihre neuen Rezepturen gut bezahlen lassen. So kostet der „Terra“-Universalreiniger 1,95 Euro, deutlich mehr als der ebenfalls von Henkel produzierte Reiniger „General“ (1,11 Euro). Nivea-Kundinnen zahlen für die „Pure & Natural“-Nachtcreme 9,95 Euro, das ist mehr als das Doppelte der 4,25 Euro, die sie für die Standardcreme auf den Tisch legen müssen.

Umweltschützer sehen die Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Zwar sei es besser, auf regenerative Rohstoffe statt auf Erdöl zu setzen, meint Angelika Zahrnt, Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung. „Aber das eigentliche Problem wird nur verschoben“. Die Ressourcen seien nun einmal begrenzt, was zu Sprit oder Reiniger wird, könne nicht mehr gegessen werden. Leidtragende seien vor allem die Menschen in den Entwicklungsländern, gibt Jörn Ehlers, Sprecher des WWF Deutschland, zu bedenken. „Wir füllen unsere Autos mit Biodiesel, und die Menschen hungern.“

Auch die Umwelt nimmt Schaden, wenden Kritiker ein. Die weltweit steigende Nachfrage nach Palmöl habe dazu geführt, dass riesige Regenwaldflächen vor allem in Indonesien und Malaysia abgeholzt werden. Dort, wo einst Urwald war, stehen jetzt Ölpalmenplantagen. „Da lebt nichts mehr“, weiß Ehlers.

Henkel und dm kennen diese Kritik und begegnen ihr offensiv. Die Drogeriekette weist darauf hin, dass alle „Denkmit nature“-Produkte das Umweltzeichen „Ecolabel“ tragen. Henkel hat nach eigenen Angaben als erstes Unternehmen weltweit für die Marke Terra Zertifikate für nachhaltiges Palmkernöl gekauft.

Zahrnt, früher Chefin des Bundes für Umwelt und Naturschutz, warnt davor, solche Zertifikate zu überschätzen. „In Entwicklungsländern ist es schwierig zu beurteilen, was die jeweiligen Zertifikate bringen.“ Ihre Lösung: „Wir müssen den Verbrauch senken.“ Denn der Absatz von Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln in Deutschland ist in den vergangenen Jahren ständig gestiegen. 3,8 Milliarden Euro gaben die Verbraucher 2008 aus, 2010 waren es bereits 4,3 Milliarden – ein neuer Rekord. Für Zahrnt ist die Sache klar: „Wir müssen nicht vernünftiger, wir müssen weniger waschen und putzen.“

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