Wirtschaft : Öko-Schnitzel und Öko-Steaks sind seit den Skandalen trotz hoher Preise gefragt wie nie

Rüdiger Stahlschmidt

Ein Gutes haben die Skandale rund um Steak und Schnitzel - zumindest aus Sicht der Anbieter von Ökofleisch. Viele Verbraucher wenden sich mittlerweile ab vom Produkt aus intensiver Massentierhaltung. Immer mehr verlangen Fleisch von Tieren, die artgerecht gehalten wurden. Schon zwischen 1992 und 1996 verdoppelte sich in etwa die Zahl der Haushalte, die Fleisch als "Ökoprodukt" kauften, wie eine Umfrage der "Centralen Marketinggesellschaft der Deutschen Agrarwirtschaft (CMA)" ergeben hat. Tendenz steigend.

In barer Münze hat die Entwicklung nach einer aktuellen Studie der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) zu einem Umsatz von rund 860 Mill. DM im Jahre 1997 geführt. Das entspreche rund 1,5 Prozent der Gesamtausgaben für Fleisch und Wurst. Von den Zuwachsraten beim Ökofleisch können Fleischproduzenten der so genannten konventionellen Intensivwirtschaft nur träumen: Rund 30 Prozent Umsatzplus für Ökofleisch erwartet Ulrich Hamm, Professor für landwirtschaftliche Marktlehre an der Fachhochschule Neubrandenburg, für das Jahr 1998. Er stellt auch für 1999 eine "vorsichtige Prognose" in gleicher Höhe an. Dazu müßten die Ökobauern aber entsprechend mehr Fleisch produzieren können. Schon heute gebe es vor allem beim Geflügel Engpässe. Und genau da erwartet er den größten Nachfrageschub.

Der Ökofleisch-Boom ist eine recht junge Entwicklung. Er begann Mitte der 90er, als die ersten Fernsehbilder von zusammenbrechenden BSE-Rindern über die Bildschirme flimmerten. Die Nachfrage stieg sprunghaft an, Produzenten und Handel stellten sich auf die geänderten Konsumwünsche ein. Seitdem gibt es immer mehr Ökofleisch. Viele Verbraucher schrecken allerdings noch die hohen Preise: Bei Geflügel kann ein ganzes Tier schon mal bis zum Zweieinhalbfachen kosten. Öko-Schweinefleisch ist knapp doppelt so teuer, und bei Rind zahlt man die Hälfte drauf. Vor allem Filets und andere "edle Teilstücke", wie das im Fachjargon heißt, sind wahre Preistreiber, da sie auch stark von Edelhotels und -restaurants nachgefragt werden.

Ökofleisch ist nicht gleich Ökofleisch. Wer im Supermarkt einkauft, kann nach Ansicht von Manon Haccius von der Arbeitsgemeinschaft ökologischer Landbau (AGöL) ohne Bedenken zugreifen: "Die Supermärkte sind sehr auf ihr Renomee bedacht und kontrollieren ihr Angebot streng." Ansonsten ist Vorsicht geboten bei den zahlreichen Gütesiegeln. Wie Andreas Krug vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sagt, seien die Unterschiede so groß, dass man keine Empfehlung abgeben könne: "Von blanken Phantasiebezeichnungen bis hin zu Fleisch aus artgerechter Tierhaltung ist dort alles vertreten." Selbst hinter dem CMA-Gütesiegel "Deutsches Qualitätsfleisch aus kontrollierter Aufzucht" würden sich große Unterschiede verbergen.

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