Wirtschaft : Ökobank: Kurz vor dem Aus

Rolf Obertreis

Nach 13 Jahren ist das Aus der Ökobank praktisch besiegelt. Am 30. Juni sollen die Vertreter der Genossenschaft in Neu-Isenburg über die Ausgliederung des Bankgeschäftes an die Bankaktiengesellschaft (BAG) Hamm rückwirkend zum 30. Dezember 2000 entscheiden. Dort soll die Ökobank als eigenständige Filiale weitergeführt werden bis ein Käufer gefunden ist. Das erste alternative Geldhaus der Bundesrepublik hat es damit nicht geschafft, die 1999 durch große Ausfälle im Kreditgeschäft entstandenen Löcher zu stopfen. "Die Ökobank ist in den letzten 18 Monaten systematisch kaputt gemacht worden", ist aus den Kreisen ehemaliger Öko-Banker zu hören. Die Verantwortung dafür schieben sie dem Genossenschaftsverband Hessen/Rheinland-Pfalz und den von ihm eingesetzten Vorstandsmitgliedern in die Schuhe. Sie hätten keinerlei Interesse an dem Institut und an den ethisch-ökologischen Ideen gehabt.

Über Details wollen die beiden Ökobank- Vorstände Wolfram Herath und Wolfgang Mai erst am 3. Juli berichten. Nachdem die Bank 1999 einen Verlust von 17 Millionen Mark im Kreditgeschäft hinnehmen musste, der nur durch den Einlagensicherungsfonds der Volksbanken und Raiffeisenbanken abgedeckt werden konnte, soll im vergangenen Jahr ein neuerliches Minus von 5,5 Millionen Mark aufgelaufen sein. Durch den Verkauf der Fondstochter Ökovision im März versuchte die Bank die Löcher zu stopfen. Die Einnahmen von angeblich rund sechs Millionen Mark reichten aber nicht aus. Dem Vernehmen nach schreibt die Ökobank auch im laufenden Bankgeschäft deutliche Verluste. "In diesem Jahr dürfte es noch schlimmer aussehen", sagt ein Insider. Die Einlagen der rund 33 000 Kunden der Ökobank mit Filialen in Frankfurt, Berlin und Freiburg sollen aber gesichert sein.

Dagegen müssen die rund 24 000 Genossenschaftsmitglieder mit deutlichen Einbußen rechnen. Was mit den 65 Arbeitsplätzen geschieht, hängt vom möglichen Käufer der Ökobank ab. "Wir wünschen uns natürlich einen Partner aus dem ethisch-ökologischen Bereich", sagt Öko-Partner-Sprecherin Bettina Schmoll. Allerdings verhandelt die Bank auch mit Interessenten aus dem traditionellen Bankgeschäft.

"Damit ist es gelungen eine von Vorstand, Aufsichtsrat und der genossenschaftlichen Sicherungseinrichtung gemeinsam getragene Lösung zu finden", heißt es mit erstaunlich positivem Unterton in einer Pressemitteilung der Ökobank. Die BAG Hamm ist eine Spezialbank, die sich auf die Abwicklung von faulen Krediten konzentriert. Sie gehört dem Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR). Faktisch wird mit diesem Schritt das Ende des einst mit Lorbeeren überschütteten und bis 1998 auch erfolgreichen Institutes eingeläutet. "Die ganzen Töchter und damit auch die Ideen, die hinter der Ökobank stehen, wurden im Zuge der Sanierung verkauft. Alle stillen Reserven wurden gehoben, faktisch wurden Vermögenswerte vernichtet. Damit wurde die Bank ihrer Zukunftschancen beraubt", ärgert sich ein Insider. Vorstandsmitglied Herath hatte noch im November betont, die Ökobank habe "mit ihrer ethisch-ökologischen Ausrichtung nach wie vor große Potentiale, die erschlossen und gesichert werden müssen". Am Konzept der Bank werde nicht gerüttelt. Bis Sommer 2001 solle die Sanierung abgeschlossen sein. Davon ist jetzt keine Rede mehr.

0 Kommentare

Neuester Kommentar