Wirtschaft : Ökobauern: Subventionen schaden der Umwelt

Umweltschützer unterstützen EU-Agrarkommissar Franz Fischler und dringen auf Umsetzung seiner Reformvorschläge

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Berlin (pet). Umweltschützer und Ökolandwirte haben eine Reform der Europäischen Agrarsubventionen (siehe Lexikon) gefordert. „Es fließt nicht zu viel Geld in die EULandwirtschaft, aber es fließt in die falschen Kanäle“, sagte Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, am Donnerstag in Berlin. Die derzeitige Verteilung der Subventionen sei schlecht für die Umwelt und sozial ungerecht. Graefe zu Baringdorf, der auch für die Grünen im EU-Parlament sitzt, stützt sich auf eine vom Umweltbundesamt finanzierte Studie der Umweltstiftung Euronatur.

Der Vorstoß kommt nicht ganz zufällig gerade jetzt. In der kommenden Woche wird der EU-Ministerrat über Vorschläge von Agrarkommissar Franz Fischler zur Reform der EU-Agrarpolitik beraten. Die Agrarausgaben machen rund 40 Prozent des EU-Haushalts aus. Im Juli hatte Fischler vorgeschlagen, die Agrarsubventionen von der Produktion abzukoppeln und stattdessen stärker an Umwelt- und Qualitätsstandards zu binden. Daran knüpfen die Vorschläge der deutschen Umweltverbände an. Bei der letzten EU-Agrarreform („Agenda 2000“), die bis Ende 2005 gilt, haben die Umweltverbände nach eigenen Angaben zu spät reagiert und daher kaum Einfluss genommen. Auf die nächste Reformstufe, die ab 2007 wirksam wird und dann auch für die neuen osteuropäischen Mitglieder gilt, wollen sie besser vorbereitet sein – auch durch die jetzt vorgelegte gemeinsame Position.

Die Umweltstiftung Euronatur kritisiert, dass die meisten Agrarsubventionen nicht an Umweltauflagen gekoppelt sind. So werde kein anderes Agrarprodukt so intensiv subventioniert wie der Mais – obwohl im Maisanbau besonders viel Pflanzenschutzmittel eingesetzt werde. Wegen der üppigen Anreize aus Brüssel sei der Maisanbau in Deutschland in den letzten Jahren massiv gestiegen. Gleichzeitig sei ein Viertel der Wiesen und Weiden in Deutschland verschwunden, weil Brüssel für Grünland keine Subventionen zahlt. Durch Umwandlung von Wiesen in Äcker sinkt die biologische Vielfalt und die Fähigkeit der Böden, Wasser aufzunehmen. Das begünstige Hochwasser, kritisieren Umweltschützer. „Damit werden ökologisch die falschen Signale gesetzt“, sagte Lutz Ribbe, der Direktor von Euronatur.

Abgesehen davon begünstige das derzeitige Agrarsystem in Deutschland vor allem die großen Getreideanbaubetriebe. Nur 0,6 Prozent der Bauern erhielten fast ein Viertel der Subventionen aus Brüssel. Personalintensive ökogerechte Anbaubetriebe würden dagegen benachteiligt. Daher müssten in der nächsten Reformstufe die Rahmenbedingungen für Landwirte so gestaltet werden, dass umweltverträgliche Produktion lohne und umweltschädliche Produktion unwirtschaftlich werde, forderte der Landwirtschaftsfunktionär Graefe zu Baringdorf.

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