Ökologische Landwirtschaft : Brandenburger Bio-Bauern trotzen Krise

Die Anbauflächen wachsen, die Öko-Höfe legen zu. Vor allem in Brandenburg hat die ökologische Landwirtschaft Konjunktur. Dennoch fordern die Bio-Bauern höhere Subventionen.

Patrick Weber
Alles bio – auch beim Gemüse. In Deutschland sind Ökowaren beliebt.
Alles bio – auch beim Gemüse. In Deutschland sind Ökowaren beliebt.Foto: dpa

Bio boomt. Das geht aus neuen Zahlen des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hervor, die am Montag in Berlin veröffentlicht worden sind. Danach stieg sowohl die ökologisch bewirtschaftete Anbaufläche als auch die Zahl der Bio-Landwirte deutlich an. Im vergangenen Jahr wuchs die Anbaufläche um 4,3 Prozent, mit knapp 950 000 Hektar sind die deutschen Ökofelder und -wiesen inzwischen zehn Mal so groß wie ganz Berlin. Einen noch deutlicheren Anstieg vermeldete das Ministerium bei den Bio-Betrieben. Ende 2009 gab es gut 21 000, das waren 6,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Von allen landwirtschaftlichen Unternehmen arbeiten in Deutschland derzeit 5,6 Prozent nach Öko-Standards.

Zu den Spitzenreitern in der Öko-Landwirtschaft zählt Brandenburg mit einer Anbaufläche von rund 1400 Quadratkilometern. Dies entspricht eineinhalb Mal der Fläche Berlins. Glaubt man dem Bio-Verband „Bioland“, arbeiten in Brandenburg doppelt so viele Öko-Bauern wie im Bundesdurchschnitt.

Trotz der guten Wachstumszahlen fordern die Bio-Bauern eine noch stärkere Unterstützung durch die Politik. Der Bund müsse ökologische Leistung stärker honorieren, meint Bioland-Sprecher Gerald Wehde. Die Flächenprämie der Bundesländer zur Beibehaltung des Öko-Landbaus sei zu niedrig, kritisiert der Verband. Steigt ein Erzeuger auf ökologischen Landbau um, kann er während der Umstellungsphase seine Produkte nicht als teure Bio-Produkte verkaufen und hat dennoch höhere Kosten. Deshalb gibt es für die ersten zwei Jahre eine so genannte Umstellungsprämie. Wehde fordert, dass auch diese Prämie erhöht wird. Des Weiteren solle der Bund mehr Geld in die Forschung im Bereich des ökologischen Anbaus investieren. Nur so könne ein noch stärkeres Wachstum des ökologischen Landbaus erreicht werden.

Viele Bio-Bauern sehen trotz der positiven Zahlen mit Sorge in die Zukunft. Denn immer mehr Bio-Waren werden aus dem Ausland importiert, vor allem die Discounter kaufen nicht bei deutschen Landwirten, sondern bei billigeren Betrieben im Ausland. Wehde fordert einen Ausgleich zugunsten deutscher Produzenten, die erhebliche Mehrkosten hätten. Die Verbraucher müssen jedoch nicht befürchten, dass importierte Waren schlecht sind. In der Europäischen Union müssen die Öko-Anbaubetriebe besondere Regeln erfüllen und werden streng kontrolliert. Die Überwachung in Deutschland erfolgt durch Kontrollstellen, die von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung zugelassen worden sind.

Der Bio-Boom beschränkt sich im Übrigen nicht nur auf die Bauern. Auch Unternehmen, die Öko-Produkte verarbeiten, importieren oder verkaufen, legten im vergangenen Jahr deutlich zu. Hauptgewinner waren die Handelsunternehmen. Sie verzeichneten einen Zuwachs von 21 Prozent. Damit waren im ökologischen Landbau insgesamt gut 31 000 Unternehmen tätig. Patrick Weber

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