Wirtschaft : Ökologischer Anbau stagniert

Experten schätzen künftiges Marktpotential auf zehn Prozent BERLIN (olm).Die Richtung ist eindeutig: Ein ökologischer Landbau bereichert zwar unser Nahrungsangebot, ist als flächendeckende Alternative zur konservativen Landwirtschaft jedoch unrealistisch.Hans-Theo Jachmann, Leiter des Geschäftsbereichs Pflanzenschutz des Industrieverbands Agrar (IVA), nennt als Gründe dafür den hohen Aufwand, die teure Produktion und den begrenzten Markt.Der Landwirt müsse auf rund ein Drittel seines Ertrages verzichten, verbrauche aber dabei 43 Prozent mehr Fläche und damit mehr Treibstoff, Wasser und Dünger, sagte Jachmann am Freitag auf der Mitgliederversammlung seines Vereins in Berlin.Das Berliner Forum des IVA stand unter dem Motto: "Nachhaltige Landwirtschaft - alles Öko oder was?" Für Günther Linckh von der Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg steht fest, daß radikale Lösungen in der Landwirtschaft längerfristig nicht taugen.Wer Land bewirtschafte, müsse ökologische, ökonomische und soziale Ziele unter einen Hut bringen, sagte Linckh.Der ökologische Landbau bietet jedoch auch Chancen.Er entlastet die angespannten Agrarmärkte und liefert den Landwirten eine zusätzliche Einnahmequelle.Bisher haben sie sich allerdings zu sehr auf das Angebot und weniger auf die Vermarktung ihrer Produkte konzentriert.Das führte zwischenzeitlich zu einem drastischen Preisverfall bei ökologischen Erzeugnissen.Derzeit stagniert die Anbaufläche bei 2,7 Prozent.Solle das langfristig erkennbare Marktpotential für ökologische Produkte in Deutschland von rund zehn Prozent voll genutzt werden, müßten die Vermarktungsstrukturen erheblich verbessert werden, sagte Linckh.Auch Hans-Jürgen Nantke vom Umweltbundesamt lehnt eine flächendeckende Umstellung auf den ökologischen Landbau ab.Die Frage, wie umweltädäquat die Landwirtschaft nach der Jahrtausendwende wirtschafte, werde vorwiegend auf den konventionell bewirtschafteten restlichen 90 Prozent der Landfläche beantwortet.Eine nachhaltige Entwicklung, könne jedoch nicht "von oben" vorgegeben werden, meinte Nantke.Nachhaltigkeit, die sich nach den Möglichkeiten künftiger Generationen auszurichten habe, sei ein gesellschaftlich anzustrebendes Ziel.So heiße nachhaltige Nahrungsmittelproduktion für ihn nicht nur nachhaltige Landwirtschaft.Auch die Verarbeitung, die Verteilung und der Konsum gehörten dazu - also auch der Händler und der Verbraucher.Wie Nantke fordert auch Linckh zur Umsetzung der Ziele den vermehrten Einsatz neuer Technologien.Als Beispiele nannte Linckh schädlingsresistente Kulturpflanzen und EDV-gestützte Fütterungsanlagen.

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