Wirtschaft : Ökonomen sehen Deutschland vor der Konjunkturwende

ost/HB

In Deutschland mehren sich die Zeichen für eine konjunkturelle Wende. Volkswirte gehen davon aus, dass ein Aufschwung bevorsteht. Sie warnen aber zugleich vor zu großem Optimismus. Die Februar-Zahlen des Ifo-Geschäftsklima-Indexes dürften aus Sicht der Volkswirte die Hoffnung auf eine Konjunkturwende in Deutschland untermauern: Das wichtige Barometer werde im Februar auf 87,0 Punkte klettern, erwarten die Ökonomen im Schnitt. Im Januar lag es bei 86,3. Die neuen Zahlen veröffentlicht Ifo heute.

Falls der Index im Februar zulegt, wäre eine wichtige Bedingung für eine Konjunkturwende erfüllt: Der Index wäre zum dritten Mal in Folge gestiegen. Zwar lagen bereits die Werte im November, Dezember und Januar über dem Vormonat, aber der Dezember-Wert ist kaum vergleichbar, weil Ifo die Veröffentlichungstermine umstellte.

"In Deutschland und in Euro-Land befinden wir uns am Wendepunkt", sagt Elga Bartsch, Europa-Volkswirtin bei Morgan Stanley. Sie rechnet aber nicht mit einem starken und schnellen Aufschwung. Thomas Mayer, europäischer Chefvolkswirt bei Goldman Sachs, sieht die Sache ähnlich: "Wir beginnen, aus dem Konjunkturloch herauszuklettern, aber wir haben den Rand noch nicht erreicht."

Wim Duisenberg, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), und EU-Wirtschaftskommissar Pedro Solbes beurteilen die Entwicklung in Euro-Land ähnlich: Die Konjunktur werde im zweiten Halbjahr an Fahrt gewinnen. Der EZB-Chef sieht aber noch Risiken für den Aufschwung - unter anderem die Leistungsbilanzdefizite einiger Länder. Das Bundesfinanzministerium ist für 2003 dennoch optimistisch und glaubt für 2003 an 2,9 Prozent Wachstum.

Preisauftrieb abgeschwächt

Unterdessen scheint sich der Preisauftrieb in Deutschland deutlich abgeschwächt zu haben. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen sind die Verbraucherpreise im Februar gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres um 1,5 Prozent gestiegen, berichtete das Landesamt für Statistik am Montag in Düsseldorf. Im Januar waren es noch 1,8 Prozent. Bremser beim Preisauftrieb waren diesmal vor allem Mineralölprodukte, schreiben die Statistiker.

Bereits in der Vorwoche hatten die Statistischen Ämter von zwei Bundesländern von sinkenden Teuerungsraten berichtet. So war die jährliche Teuerungsrate in Hessen auf 1,7 Prozent, nach 2,1 Prozent im Januar zurückgegangen. In Sachsen ging sie von 2,3 auf 1,6 Prozent zurück. Auch im Vergleich zum Januar 2002 verlangsamte sich den Angaben zufolge der Preisanstieg. Die Preise kletterten gemessen am Januar um 0,4 Prozent, nachdem sie zuvor noch um 0,8 Prozent zugelegt hatten. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren im Februar 2002 vor allem Nahrungsmittel (plus 4,4 Prozent) und Flugreisen (plus 8,5 Prozent) teurer. Verbraucher mussten für frisches Obst und Gemüse tiefer in die Tasche greifen.

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