Wirtschaft : Ökonomen sind allerdings uneins über "New Economy"

pw/bir

An der Wirtschaft der Vereinigten Staaten scheiden sich die Geister der Ökonomen. Viele halten das anhaltend hohe inflationsfreie Wachstum in den vergangenen Jahren für etwas ganz Neues. Für eine "New Economy", bei der andere Gesetze und Regeln gelten. Nobelpreisträger Gary S. Becker hat seine Zweifel, ob diese neue Wunderwirtschaft in den USA wirklich existiert. Sicher ist seiner Ansicht nach nur, dass die US-Wirtschaft seit 1981 gut gelaufen ist. Bis auf eine einzige kleine Rezession habe die Wirtschaft immer zugelegt. "Das Produktivitätswachstum hat sich in den 90er-Jahren enorm verbessert", sagte Becker in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. Dabei habe auch die Beschäftigung kräftig zugelegt. Computer und das Internet hätten sehr belebend auf die Wirtschaft gewirkt und seien möglicherweise für das starke Produktivitätswachstum verantwortlich.

Becker hält anders als die Vertreter der "New Economy" den Konjunkturzyklus allerdings noch nicht für gestorben. "Es kann sein, dass es künftig keine massiven, sondern nur noch milde Umschwünge geben wird", so seine Analyse. Schon seit dem Zweiten Weltkrieg seien die Konjunkturzyklen im Vergleich zur ersten Hälfte des Jahrhunderts schwächer ausgefallen. Doch sie seien nach wie vor existent.

Anders wie manche Kritiker der "New Economy" hält Becker das Argument, die für ein inflationsfreies Wachstum notwendige Produktivität habe es nur in der Computerproduktion, nicht aber in der gesamten USWirtschaft gegeben, für nicht richtig. Nach Ansicht Beckers war und ist das Wachstum breit angelegt. Wenn es auch in der verarbeitenden Industrie statistisch stärker ausfällt als im Bereich der Dienstleistungen.

Noch sieht Becker keine Überhitzung für die US-Konjunktur: "Die Löhne steigen nicht sehr schnell", erklärt Becker. Sie nähmen nur ein wenig schneller als früher zu, aber nicht schneller als die Produktivität. Dabei sei auch die Inflation immer noch sehr moderat. Für die US-Notenbank gebe es deshalb keine Notwendigkeit, die Zinsen zu erhöhen. Dennoch hält Becker die Inflation nicht für immer überwunden: "Wir müssen die Inflation kontrollieren", sagt er. "Ich hoffe, dass uns das gelingt." Seit Anfang der 80er-Jahre hätten die meisten Länder gute Erfolge dabei erzielt, Europa und die USA im Besonderen.

Auch das Wirtschaftswachstum hält Becker für keine Selbstverständlichkeit: "Mehr noch als von Computern hängt das von der Wirtschaftspolitik ab." Europa hat immer noch hohe Arbeitslosenraten und das europäische Wirtschaftswachstum ist zu langsam, langsamer als es sein sollte. Es gibt in allen Volkswirtschaften wirkliche Probleme, einschließlich der USA.

Dennoch sieht Becker auch für die USA ganz gute Wachstumsmöglichkeiten: Die USA könnten im Schnitt weiterhin ebenso gute oder noch höhere Wachstumsraten erzielen wie in den 90er-Jahren, möglicherweise mit einigen konjunkturellen Abschwüngen. Entscheidend ist, dass Unternehmer weiterhin gute Bedingungen vorfinden, dass Existenzgründungen möglich sind.

Geschwächt werden könnte das Wachstum allerdings durch "einige kräftige Korrekturen an den Aktienmärkten". Diese werden aber nie das Ausmaß erreichen wie in Japan Ende der 80er-Jahre. Die Japaner hatten 1989 wirklich eine Luftblase an den Börsen, als der Crash begann. Sie haben rund 70 Prozent des Aktienwerts verloren.

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