• Ökonomen zweifeln an der Dauer des US-Aufschwungs Investmentbank Goldman Sachs fürchtet ein Strohfeuer

Wirtschaft : Ökonomen zweifeln an der Dauer des US-Aufschwungs Investmentbank Goldman Sachs fürchtet ein Strohfeuer

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New York (tor/HB). Der Aufschwung in den USA hat die Erwartungen vieler Ökonomen bisher übertroffen. Sie setzen nun ihre Prognosen herauf. Ian Morris von der Bank HSBC zum Beispiel rechnet jetzt statt mit einem Wachstum von 2,4 Prozent mit einem Plus von 4,5 Prozent im dritten Quartal.

Ob Industrieproduktion, Verbrauchervertrauen oder Auftragseingänge – fast alle Konjunkturindikatoren zeigen nach oben. Allerdings mischen sich in die beginnende Euphorie schon wieder die ersten Zweifel: Hält der Aufschwung diesmal an, oder geht der Wirtschaft wie schon 2001/02 wieder relativ schnell die Puste aus? Zu den größten Skeptikern gehören die Ökonomen der Investmentbank Goldman Sachs. Und in der Vergangenheit waren die Prognosen dieses Hauses nach einer Untersuchung des Wall Street Journals besonders treffsicher. Die GoldmanÖkonomen fürchten, dass der Auftrieb nur ein Strohfeuer ist. „In der zweiten Hälfte 2004 wird die Wirtschaft wieder an Kraft verlieren“, schreibt Chefökonom Bill Dudley. Insgesamt werde die US-Wirtschaft im kommenden Jahr erneut hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben: Goldman prognostiziert nur eine Wachstumsrate von 2,5 Prozent.

Hohes Leistungsbilanzdefizit

Die Skeptiker bezweifeln vor allem, dass die US-Wirtschaft bereits alle Exzesse und Ungleichgewichte des Investitionsbooms der neunziger Jahre korrigiert hat. „Der Anpassungsprozess bei den privaten Haushalten ist noch nicht abgeschlossen“, sagt Dudley. Er rechnet damit, dass die Verbraucher mehr Geld auf die Seite legen und so das Wachstum bremsen. Außerdem werde der Anstieg der langfristigen Zinsen die Neubauaktivitäten auf dem bislang boomenden Häusermarkt dämpfen und die Refinanzierungswelle bei den Hypothekenkrediten stoppen. Viele Amerikaner haben ihre Immobilienkredite umgeschichtet und zahlen dadurch deutlich weniger Zinsen – die frei werdenden Mittel geben sie für den Konsum aus. Eine Kehrtwende, so Dudley, könne das Wachstum der US-Wirtschaft 2004 um einen vollen Prozentpunkt drücken. Zuletzt sanken die Anträge auf Hypothekenkredite auf den tiefsten Stand seit 14 Monaten, meldete am Mittwoch die Vereinigung der US-Hypothekenbanken.

Und es gibt weitere Gefahren für die US-Wirtschaft – allen voran das gewaltige Leistungsbilanzdefizit, das mittlerweile fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreicht hat und 2004 wohl weiter wächst. Das Defizit bedeutet, dass sich die US-Wirtschaft massiv im Ausland verschulden muss. Dieses Wirtschaften auf Pump könne nicht ewig andauern, warnt Stephen Roach von der Investmentbank Morgan Stanley. Mögliche Folge ist ein plötzlicher Absturz des Dollars. Dies könne die Zinsen nach oben treiben und so die US-Konjunktur abwürgen, warnt Roach. Zu einer Belastung für den Aufschwung könnte auch das ausufernde Haushaltsdefizit werden.

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