Wirtschaft : Ökostrom auch für Berlin

BERLIN (vis/sil).Seit 1998 ist der deutsche Strommarkt liberalisiert und im Prinzip kann jeder Kunde wählen, wo er seinen Strom kauft.Viele regionale Energieversorger wehren sich dagegen, daß Konkurrenten billigen Strom durch ihre Leitungen fließen lassen.Doch es gibt Alternativen.Die im April 1998 gegründete Düsseldorfer Naturstrom AG verkauft Strom an Privathaushalte im ganzen Bundesgebiet."Allerdings bieten wir nicht billigen, sondern besseren Strom an", sagte Naturstom-Vorstand Ralf Bischof am Mittwoch in Berlin.

Die Naturstrom AG war der erste unabhängige Anbieter, der ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energiequellen anbot.Der Strom wird zu einem Prozent aus Solarenergie (Photovoltaik), zu je einem Viertel aus Wind- und Wasserkraft und knapp zur Hälfte aus Biomasse gewonnen."Unser Strom ist teurer, weil die Erzeugungskosten von erneuerbarer Energie über den Kosten der konventionellen Stromerzeugung liegen", sagte Bischof.Das liege zum einen an den historisch niederigen Kosten für fossile Brennstoffe, zum anderen an den etwa 40 000 Megawattstunden Überkapazität in Europa.Investitionen in neue umweltfreundliche Anlagen und Technologien kosteten dagegen Geld.

Obwohl man für den Ökostrom einen Aufpreis von acht Pfennig pro Kilowattstunde bezahlen muß, konnte das Unternehmen, das sein Geschäft im Januar diesen Jahres aufnahm, bisher 700 Kunden gewinnen - 25 davon in Berlin.Der Kunde schließt dabei einen Vertrag mit der Naturstrom ab, der Vertrag mit dem bisherigen lokalen Versorger wird gekündigt.Die Naturstrom betreibt keine eigenen Anlagen sondern kauft den Strom bei unabhängigen Erzeugern ein.Zur Zeit sind es zwei Photovoltaik- und zwei Biogasanlagen.Dieser Strom wird ins deutsche Netz eingespeist, aber nicht tatsächlich physisch zu jedem Naturstromkunden durchgeleitet.Der Kunde wird - mit der Naturstrom als Zwischenhändler - nach wie vor von seinem bisherigen Versorger beliefert.Aber: "Wir garantieren, daß jede Kilowattstunde, die unsere Kunden verbrauchen, an anderer Stelle mit erneuerbarer Energie produziert wird", sagte Bischof."Die Kunden zahlen mehr Geld dafür, daß mehr Strom aus erneuerbaren Quellen produziert wird." Denn es werden nur Betreiber neuer Anlagen unter Vertrag genommen, die sonst nicht rentabel produzieren könnten.

Einen anderen Weg, Ökostrom zu fördern, bietet der Bund der Energieverbraucher aus Rheinbreitbach bei Bonn mit der Aktion "Bunter Strom".Der Bund kauft Strom bis zu 20 Prozent günstiger ein, der an Haushalte geliefert wird, die Mitglied im Energieverbraucherbund werden.Die Hälfte der eingesparten Summe gehe in Projekte für regenerative Energien, so der Bund.

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