Wirtschaft : Ökostrom für 3500 Familien

In Bayern geht das weltweit größte Solarkraftwerk ans Netz. Die Technik stammt von Solon aus Berlin

Anselm Waldermann

Berlin - Für die Ökostrombranche ist es eine Woche der Rekorde. Am Freitag wurde das weltweit größte Solarkraftwerk eingeweiht: der Solarpark Erlasee, idyllisch gelegen auf einem ehemaligen Weingut in der Nähe von Arnstein bei Würzburg. Die Technik für das Kraftwerk stammt von der Berliner Firma Solon. Wenige Tage später strebt auch die Windbranche eine neue Spitzenleistung an. Bei Dardesheim im Nordharz soll das weltgrößte Windrad aufgestellt werden. Mit einer Höhe von rund 180 Metern wird es das Berliner Europa- Center um das Doppelte überragen.

Das rasante Wachstum der Ökoenergien kommt nicht von ungefähr. Schließlich profitierten Hersteller und Betreiber jahrelang von der Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz. Mittlerweile kommt aber noch etwas anderes hinzu: die hohen Strompreise. Kostete eine Megawattstunde an der Leipziger Energiebörse EEX im Januar noch rund 40 Euro, waren es in diesem Sommer zeitweise mehr als 100 Euro. Im Vergleich zu Kohle und Atom werden Wind und Sonne deshalb immer rentabler.

Wann genau das Megawindrad errichtet wird, hängt vom Wetter ab. Allein die Rotorgondel wiegt 500 Tonnen, zu viel Wind wäre beim Emporziehen gefährlich. In den ersten Septembertagen soll es aber so weit sein, verspricht Hersteller Enercon. Wenn die Anlage steht, wird sie eine Leistung von sechs Megawatt (MW) erbringen – genug Strom für 4000 Haushalte. Die bisherige Nummer eins, ein Windrad namens „5M“ von Enercon- Konkurrent Repower, schafft fünf MW.

Dabei ist auch Repower nicht untätig. In der vergangenen Woche stellte das Unternehmen sein „5M“ erstmals auf offener See auf. In der schottischen Nordsee wurde es in einer Wassertiefe von 44 Metern verankert. Noch nie wurden Windräder in derart tiefem Wasser aufgestellt; die wenigen Offshore-Anlagen, die es schon gibt, stehen ausschließlich in seichtem Gewässer. „Wir sind stolz, dass die Premiere geglückt ist“, sagt Repower-Chef Fritz Vahrenholt.

Einen ähnlichen Erfolg kann die Berliner Solarfirma Solon vorweisen. Das Unternehmen ist der größte Hersteller von Solarmodulen in Deutschland. Zu seinen wichtigsten Produkten gehören die Solon-Mover – Solaranlagen, die sich wie eine Sonnenblume mit dem Lauf der Sonne bewegen. Die Energieausbeute steigt dadurch nach Unternehmensangaben um bis zu 35 Prozent.

Im Solarpark Erlasee stehen insgesamt 1408 Solon-Mover auf einer Fläche so groß wie 117 Fußballfelder. Zusammen können die Anlagen den Strombedarf von 3500 Familien decken. Die Investitionssumme beläuft sich auf 80 Millionen Euro – direkt von Privatanlegern oder von Fonds.

Allerdings gibt es auch kritische Stimmen. So warnt die Gesellschaft für Unternehmensanalyse und Beteiligungsmanagement (GUB) ausdrücklich vor einem finanziellen Engagement am Solarpark Erlasee. Der aktuelle Fonds der Betreiberfirma SAG erhielt die Bewertung „minus – nicht platzierungsreif“. So seien weder eine Platzierungsgarantie für das Eigenkapital noch eine externe Mittelverwendungskontrolle prospektiert worden. „Sollte die Platzierung scheitern, könnte das Anlegergeld ganz oder teilweise verloren sein“, teilte die GUB mit.

Das Projekt insgesamt kann dadurch aber nicht mehr gestoppt werden. „Viele Firmen kündigen ihre Vorhaben nur an“, sagt Solon-Finanzvorstand Thomas Krupke. „Unsere Anlagen hingegen stehen tatsächlich da.“ Eines will aber auch Krupke nicht ausschließen: dass der Solarpark Erlasee schon bald von noch größeren Sonnenkraftwerken eingeholt werden könnte. „Wir sind nun mal eine Wachstumsbranche“, sagt er.

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