Ökostrom : Ganz überwiegend sauber

Der Stromanbieter Lichtblick ist in die Kritik geraten. Der Streit um sauberen Ökostrom ist nach Meinung des Freiburger Öko-Instituts allerdings "aufgebauscht".

BerlinDie Aufregung entzünde sich an einem Sachverhalt, der „lange bekannt ist“, sagte Veit Bürger vom Öko-Institut am Donnerstag dem Tagesspiegel. Der Ökostromanbieter Lichtblick war, wie berichtet, ins Gerede gekommen, weil er für eine kleine Menge Strom nicht die Herkunft nachweisen konnte. Es betraf den Strom, mit dem Lichtblick die Abweichung zwischen tatsächlichem und erwartetem Kundenverbrauch ausgleicht, und der an der Strombörse kurzfristig zugekauft wird. Dabei ist es durchaus möglich, dass auch Atomstrom eingekauft wird. Im Ergebnis hätten dann die Endkunden, die glauben, Ökostrom zu kaufen, auch AKW-Strom in der Steckdose.

Dieser Umstand ist misslich, meint Bürger vom Öko-Institut, und spricht von einem „Kommunikationsmalheur“. Ökologisch sei das jedoch nicht zu beanstanden. Entscheidend ist Bürger zufolge, dass Lichtblick den Ökostrom, der verkauft wird, auch als Ökostrom einkaufe. Und wenn es eine Differenz gibt, weil wegen der oben geschilderten Abweichung Strom über die Börse zugekauft werden muss, dann ist diese Differenz im nächsten Jahr wieder auszugleichen. Im Fall Lichtblick soll es sich um 0,5 Prozent des insgesamt gekauften Stroms handeln.

Lichtblick gehört auch wie der Versorger Vattenfall mit seinem Ökostrom „Berlin Natur“ zu den Anbietern sauberen Stroms, die vom Öko-Institut, dem WWF und der Verbraucherzentrale zertifiziert werden. Die Firmen müssen nachweisen, dass sie die Menge, die sie als Ökostrom verkaufen, auch als Ökostrom eingekauft haben. Bei Vattenfall stammt „Berlin Natur“ zu 81,6 Prozent aus Wasserkraftwerken in der Schweiz, zu 13,5 Prozent aus der Erneuerbare-Energien-Umlage sowie zu 5 Prozent aus Biomasse, die in Kraftwerken verfeuert wird. „Berlin Natur“ beziehen 10 000 von 1,6 Millionen Vattenfall-Kunden in Berlin. Der Preis liegt nur minimal über dem „normalen“ Vattenfall-Strom. alf

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