Ökostrom : Grüner Strom gegen OK Power

Was die Siegel für Verbraucher bedeuten

Berlin - Für Kunden ist es schwer zu erkennen, wann Strom tatsächlich Öko- Strom ist. Auch unter Experten wird über die Definition gestritten. In Deutschland gibt es zwei konkurrierende Prüfsiegel für Öko-Strom: Die Umweltverbände zeichnen Anbieter mit dem „Grüner Strom Label“ aus. Das Siegel erhält nur, wer den Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien bezieht und darüber hinaus einen Aufpreis verlangt. Dieses Geld muss in den Neubau von entsprechenden Anlagen fließen. „Wir stellen nicht nur sicher, dass Öko-Strom geliefert wird, sondern dass auch der Ausbau der erneuerbaren Energien gefördert wird“, sagt Thorben Becker, Energieexperte des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND. Überregionale Anbieter wie Energreen und Naturstrom haben das Label sowie etwa 120 Stadtwerke.

In Konkurrenz dazu gibt es das Siegel „OK Power“, das vom Verein EnergieVision vergeben und vom Freiburger Öko Institut unterstützt wird. Vattenfall hat das Siegel für sein Produkt „Berlin Natur“. Zu den Anforderungen gehört, dass mindestens ein Drittel der Anlagen nicht älter als sechs Jahre ist. Becker vom BUND kritisiert aber, dass „OK Power“ zulässt, dass Anbieter sich über Zertifikate mit grünem Strom eindecken. Gegen einen geringen Aufpreis erwirbt ein Anbieter diese Zertifikate etwa bei einem Produzenten von Strom aus Wasserkraft und kann die entsprechende Strommenge als Öko-Strom weiterverkaufen. Der Verkäufer muss im Gegenzug die gleiche Menge nun bei sich als Kohle- oder Atomstrom deklarieren. „Renewable Energy Certificates System“, kurz Recs, heißen die Zertifikate. „Man benutzt den Strom, den man hat und wäscht ihn mit geringem finanziellen Aufwand rein“, kritisiert Becker.

Christof Timpe vom Freiburger Öko Institut verteidigt den Zertifikatehandel: „Nur mit Herkunftszertifikaten ist es möglich, eindeutig zuzuordnen, wo eine Strommenge herkommt.“ Wollte man Zertifikate ausschließen und dagegen die tatsächliche Durchleitung des Öko- Stroms zur Bedingung machen, würde der grüne Strom mit unnötigen Kosten belastet, argumentiert Timpe.

Doch auch aus der Politik kommt Kritik am Handel mit Zertifikaten. Energieexperte Hermann Scheer (SPD) meint, dass Kunden, die wirklich Öko-Strom kaufen wollten, so betrogen würden. Die Debatte wird dadurch brisant, weil es in der EU Stimmen gibt, die den Handel mit Zertifikaten EU-weit einführen wollen. Scheer argumentiert, dass Öko-Stromanbieter durch den Verkauf von Zertifikaten zwar Mehreinnahmen hätten, aber die produzierte Menge Öko-Strom die gleiche bleibe. Der Zertifikate-Handel sei ein gefährliches Instrument, der den Ausbau Erneuerbarer Energien bremse. vis

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