Wirtschaft : Öl ist so teuer wie noch nie

Ein Liter Super könnte in Deutschland bald 1,50 Euro kosten. DIW: Keine Gefahr für die Konjunktur

Anselm Waldermann

Berlin - Der Ölpreis hat ein neues Rekordniveau erreicht. Ein Barrel Rohöl aus Staaten der Opec (Organisation Erdöl exportierender Länder) kostete zum Ende der Woche 68,74 US-Dollar. Das waren 82 Cent mehr als noch am Mittwoch. Der bisherige Höchstpreis war am 2. Mai mit 68,40 Dollar erreicht worden. Indirekt hat das teure Öl auch Auswirkungen auf die Benzinpreise in Deutschland: Am Freitag kostete ein Liter Super durchschnittlich 1,37 Euro. Für die Konjunktur sehen Experten aber keine Gefahr: „Die Wirtschaft verkraftet das ganz gut“, sagte Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) dem Tagesspiegel.

An den Rohstoffbörsen hatte sich Öl bereits am Donnerstag verteuert. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Leichtöl war in New York auf den Höchststand von 75,40 Dollar geklettert. Als Grund nannten Händler die Verunsicherung wegen der nordkoreanischen Raketentests. Die Internationale Energieagentur hält in den kommenden Wochen weitere Rekorde für möglich. Am Freitag entspannte sich die Lage aber etwas.

Für die Verbraucher in Deutschland bedeutet das jedoch keine Entwarnung. „Seit zwei Wochen ziehen die Benzinpreise noch stärker an als der Preis für Rohöl“, sagte Barbara Meyer-Buckow vom Mineralölwirtschaftsverband MWV dieser Zeitung. Mit 780 Dollar je Tonne Benzin werde mittlerweile so viel bezahlt wie seit Herbst 2005 nicht mehr. Damals hatte der Hurrikan Katrina die Preise in die Höhe getrieben. An Tankstellen in Deutschland kostete ein Liter Super damals bis zu 1,48 Euro.

So weit ist es jetzt zwar noch nicht. 1,37 Euro müssen Autofahrer aber schon berappen – das sind bis zu zehn Cent mehr als noch vor wenigen Tagen; Diesel kostet nun 1,15 Euro. „Günstig kann man das nicht gerade nennen“, sagte selbst Meyer-Buckow vom MWV. Heino Elfert, der Herausgeber des Energieinformationsdienstes EID, geht sogar noch weiter: „1,50 Euro sind in diesem Jahr durchaus möglich.“ Schließlich stehe in den USA die Hurrikansaison wieder vor der Tür.

Weil die Raffineriekapazitäten in den USA den Bedarf nicht decken, sind die Amerikaner auf Benzinimporte angewiesen – unter anderem aus Europa. „In dem Maße, in dem hier Benzin abgezogen wird, steigen die Preise“, erklärt Elfert. Die Reisezeit in den Sommermonaten verstärke diesen Effekt noch. „Neue Raffinerien zu bauen, dauert fünf bis zehn Jahre“, rechnet der Experte vor. Dann könne er sich auch wieder niedrigere Preise vorstellen.

Beim Rohöl hingegen sieht Elfert die Opec in der Pflicht: „Langfristig können die Preise nur sinken, wenn westliche Gesellschaften auch im Nahen Osten fördern dürfen. Derzeit werden sie aber nicht rein gelassen.“ Ohne die Risiken im Iran und in Nordkorea könne der Ölpreis 20 Dollar niedriger sein, sagte Elfert.

Für die Konjunktur geben Wissenschaftler dagegen Entwarnung: „Bei 80 Dollar je Barrel wird das Wachstum in Deutschland um 0,1 bis 0,2 Prozent gebremst“, sagte Kemfert vom DIW. „Das ist nicht dramatisch.“ Bei 100 Dollar aber sei ein Minus von 0,4 Prozent möglich.

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