Wirtschaft : Öl: Künftig tanken die Autos Wasserstoff

Gideon Heimann

Die Fahrbahnmarkierungen wiesen uns den Weg. Sobald wir an der Tankstelle in der korrekten Position angekommen sind, leuchtet das rote Signal vor uns auf, wir stoppen. Sofort beginnt ein vollautomatischer Füllarm der Station, am Wagen nach der Tankklappe zu suchen. Sie wird geöffnet, der Bajonettverschluss des Stutzens klinkt sich am Gegenstück des Tanks an. Keine zwei Minuten später ist unser Tank mit Wasserstoff befüllt. Beim Aufleuchten der grünen Lampe draußen vor uns starten wir den Motor. Genau genommen aktivieren wir Ventile und schließen Regel-Stromkreise, die eine Brennstoffzelle in Betrieb setzen. Der elektrische Strom daraus fließt an einen Elektromotor in unserem Wagen.

Was wie eine Zukunftsvision aus dem Jahr 2020 klingt, ist technisch schon möglich. Mercedes hat gerade einen "Sprinter"-Kleinlaster an den Paketdienst Hermes übergeben. Größere Praxistests Versuche mit Personenwagen starten in Japan und Island, im kommenden Jahr soll es in Deutschland so weit sein. Mercedes steht mit seinem "Necar" in höchstens zwei Jahren an der Schwelle zur Serienreife, BMW ist mit seinen Siebenern, die den Wasserstoff allerdings direkt verbrennen, bereits auf Welt-Tournee. Sie arbeiten mit flüssigem, kaltem und hoch komprimiertem Wasserstoff. Und auf dem Flughafen München laufen seit zwei Jahren Busse mit Wasserstoff-Verbrennungsmotor. Vom Umgang her viel einfacher ist hingegen Methanol - wobei hierbei ein "Reformer" notwendig ist, der aus dem Alkohol erst den Wasserstoff für die Zelle gewinnt und dabei Kohlendioxid abgibt.

Natürlich werden die Autos mit der neuen Technik in der Übergangszeit deutlich teurer sein als solche mit Benzinmotor. Aber da der herkömmliche Kraftstoff auch immer wertvoller wird, dafür jedoch der Wasserstoff auf Grund wachsender Produktionsmengen günstiger würde, könnte sich das irgendwann ausgleichen. Überdies setzt eine Brennstoffzelle gut die Hälfte der eingesetzten Energie in Strom - also in Bewegung - um, das schafft kein Verbrennungsmotor. Und drittens wird sich die Massenfertigung auf die Autopreise auswirken.

Parallel zu dieser Entwicklung müssen freilich Überlegungen beginnen, wie man regenerative Quellen für die Wasserstoffproduktion nutzen kann. Die Windparks werden weiter ausgebaut, ähnliche Geräte, unter Wasser installiert, sollen die Kraft der Meeresströmungen anzapfen. Zu diesem Mix könnten sich Geothermie-Kraftwerke hinzugesellen. Und schließlich wird auch an riesige Sonnenkraftwerke in Wüstengebieten gedacht.

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