Wirtschaft : Öl: Preis kehrt auf normales Niveau zurück

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An den Tankstellen und den internationalen Ölmärkten ist nach den Anschlägen in den USA vorerst wieder Normalität eingekehrt. Benzin kostete an deutschen Tankstellen in etwa wieder so viel wie am Montag, dem Tag vor dem Terroristenangriff, und auch Rohöl stabilisierte sich in London leicht über dem Niveau vom Dienstag. Entwarnung mochten Experten dennoch nicht geben. Sollte es Vergeltungsschläge der USA und weiterer Nato-Länder geben, könne es wieder zu Preissteigerungen kommen, insbesondere wenn Öl-Förderländer angegriffen würden, sagte Klaus Matthies, Rohstoffexperte des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archivs (HWWA). Grafik: Ölpreis-Entwicklung Der Preis für einen Liter Normalbenzin etwa bei der Deutschen Shell AG lag am Donnerstag wieder bei 1,97 Mark, dem Niveau vom Montag. Brent-Rohöl kostete in London rund 27,60 US-Dollar; am Mittwoch waren es 28 Dollar gewesen. Nach den Anschlägen in New York am Dienstag war der Preis kurzzeitig sprunghaft über 31 Dollar gestiegen. Weitere nervöse oder spekulative Reaktionen hatte es nicht gegeben, obwohl die Ölvorräte in den Industrieländern derzeit relativ gering sind. Die Organisation der Öl-Förderländer, die Opec, hatte sofort nach den Anschlägen angekündigt, die Öl-Märkte weiterhin ausreichend zu versorgen. Die Opec ist der wichtigste Lieferant des Rohstoffes - sie deckt 31 Prozent der Welt-Ölproduktion ab - und ist bestrebt, den Preis in einer Spanne zwischen 22 und 28 Dollar je Barrell (159 Liter) zu halten.

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Osama bin Laden: Amerikas Staatsfeind Nummer 1 gilt als der Hauptverdächtige Der kuwaitische Ölminister Adel Elsubeih bekräftigte am Donnerstag, die Opec werde alles tun, um die Weltwirtschaft zu unterstützen. "Die Stabilität dieser Preise und ein Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage" würden einen Beitrag zur Gesundung der Konjunktur leisten, sagte er. "Ich möchte der Opec danken", sagte die EU-Energie-Kommissarin Loyola de Palacio am Donnerstag in Brüssel dazu. Einen Mangel an Rohöl werde es in Europa nicht geben. Auch der deutsche Mineralölwirtschaftsverband in Hamburg hatte erklärt, die Ölversorgung sei gesichert, und die Autofahrer vor Hamsterkäufen gewarnt, wie sie kurz nach dem Anschlag vor allem in den USA zu beobachten waren.

Die weitere Ölpreisentwicklung hängt nun davon ab, ob und in welchem Umfang es zu Militärschlägen im Nahen Osten kommt, wo 65 Prozent der bekannten Ölreserven vermutet werden. "Wenn die Lieferungen nicht gefährdet werden, wird der Preis nur kurzfristig steigen, wie es bei jeder Krise der Fall ist", sagte HWWA-Fachmann Matthies dem Tagesspiegel. Selbst eine Bombardierung des Irak sei für die Märkte nicht gravierend, "die Fördermenge Iraks gleicht Saudi-Arabien locker aus". Sollte indes der Öltransport nach Europa erschwert werden, könne es "nachhaltige Steigerungen" geben. Für diesen Fall wird die Internationale Energie-Agentur (IEA) in Paris die strategischen Erdölreserven freigeben. Doch auch ohne Krise sieht Matthies bald steigende Ölpreise. Im Norden stehe der Winter bevor, welcher für höhere Nachfrage sorge. Für die weitere Konjunkturentwicklung sei aber nicht die absolute Höhe des Ölpreises entscheidend. "Rezessionen treten immer nach Preisschocks auf." Überdies sei teures Öl für den Westen heute weniger schlimm als noch in den 70-er Jahren: Für die gleiche Wirtschaftsleistung wie vor 30 Jahren sei heute nur die Hälfte an Öl nötig.

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