Wirtschaft : Öl wird immer teurer

Opec: Keine höhere Förderung/Deutscher Export bricht ein

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Berlin (hop). Die Weltkonjunktur kann vorerst keinen Schub durch billiges Öl erwarten. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) teilte am Montag mit, dass der Durchschnittspreis je Barrel (159 Liter) OpecÖl in der vergangenen Woche auf 28,72 Dollar gestiegen ist. Damit liegt die Notierung über dem von der Opec angestrebten Höchstpreis von 28 Dollar. Daran wird sich auch zunächst nichts ändern, denn eine Ausweitung ihrer Produktion lehnt die Opec weiterhin ab. Dabei hatten Ökonomen nach dem Ende des Irakkriegs mit stark fallenden Ölpreisen gerechnet.

Ein Opec-Sprecher sagte dem Tagesspiegel am Montag, auch seine Organisation sehe den Ölpreis als zu hoch an. Die Opec reagiere jedoch noch nicht, weil der hohe Preis nicht durch ein zu geringes Angebot verursacht werde, sondern insbesondere durch die unsichere Lage im Irak. Vor einer Produktionssteigerung der Opec-Mitglieder müsste Öl an 20 aufeinanderfolgenden Handelstagen – also vier Wochen – teurer als 28 Dollar sein. „Der vergangene Freitag war gerade erst der sechste Tag“, sagte der Sprecher. Sollte Öl nun länger teuer bleiben, könne die Opec jedoch sehr schnell reagieren.

Die schwache Konjunktur besonders in Frankreich, Italien und den Niederlanden – den wichtigsten Handelspartnern Deutschlands – hat im Juni den Export belastet. Auch der starke Euro drückte die Nachfrage nach deutschen Produkten im Ausland. Laut dem Statistischen Bundesamt gingen die Ausfuhren im Vergleich zum Vorjahresmonat um 4,1 Prozent auf 54,1 Milliarden Euro zurück. Etwas weniger stark schrumpften die Importe – um 3,6 Prozent auf 43,7 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr 2003 insgesamt legte der deutsche Export nur noch um zwei Prozent zu. Auch für das Gesamtjahr 2003 rechnet der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) mit einer unterdurchschnittlichen Steigerung. BGA-Präsident Anton Böger sagte am Montag: „Das Exportwachstum wird bei 3,5 Prozent und damit unter seinem langjährigen Mittelwert liegen.“ Die Weltkonjunktur sei noch längst nicht so stabil wie erhofft.

In der zweiten Jahreshälfte dürfte es aber aufwärts gehen. Davon gehen die meisten Konjunkturexperten aus. Eine Gefährdung durch die hohen Ölpreise sehen sie nicht. Manfred Horn vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet eine Belastung erst bei Preisen, die „dauerhaft über 30 Dollar liegen“. Für die kommenden Monate rechnet er aber eher mit sinkenden Ölpreisen. Die Notierungen seien zurzeit „stark spekulativ“. Doch im Irak gehe es mit der Ölproduktion gut voran. Dort werden mittlerweile täglich mehr als eine Million Barrel gefördert – „mehr als zu erwarten war“.

Auch Thomas Hueck von der Hypo-Vereinsbank rechnet höchstens für die nächsten zwei, drei Monate mit hohen Ölpreisen. „Das ist ein vorübergehender Effekt.“ Etwas Wachstum werde das teure Öl zwar kosten – „aber nicht so viel, dass man alle Prognosen überarbeiten müsste“. Die schwache Konjunktur sei vor allem auf die Folgen des Irakkrieges und der Lungenseuche Sars zurückzuführen. Aber die Stimmung habe sich gedreht. Hueck sagte: „Der tiefe Pessimismus vom Jahresanfang ist Vergangenheit.“

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