ÖL AUS SAND GEWINNEN : Heißer Dampf im Brecherwerk

Ölsand ist eine Mischung von Bitumen, eines dickflüssigen, zähen Öls, mit Wasser, Sand und Ton. Besonders viel davon hat sich in der kanadischen Provinz Alberta angelagert, im sogenannten westkanadischen Sedimentbecken. Ölsand enthält bis zu zwölf Prozent Bitumen. Liegen die Vorkommen in einer Tiefe zwischen 30 und 70 Metern, kann man den Ölsand im Tagebau gewinnen. Mit Baggern wird der Ölsand auf Lastwagen geladen und zu einem Brecherwerk gebracht, wo ihm etwa 90 Grad heißes Wasser zugeführt wird. In Pipelines fließt der Schlamm dann in eine Extraktionsanlage, wo das Bitumen von Wasser und Sand getrennt wird. Bei zehn Grad hat Bitumen nach Angaben des Verbandes der Petroleumproduzenten (CAPP) die Festigkeit von Hartgummi – „wie ein Eishockeypuck“. Laut CAPP liegen aber nur rund 20 Prozent der Bitumenvorkommen in einer Tiefe, die im Tagebau erreicht werden kann. Liegt der Ölsand tiefer, werden Verfahren angewendet, die das Bitumen bereits im Erdinneren („in situ“) vom Sand trennen. Hitzestimulation heißt das Verfahren, bei dem Dampf in den Sand eingeleitet wird, der das Bitumen flüssig macht. Angewendet werden sowohl die „Cyclic Steam Stimulation“ (CSS – zyklische Dampf-Stimulation) als auch die „Steam Assisted Gravity Drainage“ (SAGD – Dampf gestützte Schwerkraft-Drainage).

Bei der CSS-Methode wird Dampf unter hohem Druck mehrere Wochen lang in den Ölsand gepresst. Die Hitze weicht das Bitumen auf, der Wasserdampf trennt es vom Sand. Ist der Boden von heißem Wasserdampf durchdrungen, wird die Zufuhr gestoppt. Das Bitumen fließt in ein

Bohrloch
und wird abgepumpt. Während bei CSS die Bohrlöcher vertikal gebohrt werden, werden bei der SAGD-Methode zwei horizontale Tunnel durch den Ölsand getrieben. Durch den oberen Tunnel wird heißer Dampf in das Erdreich gepresst. Das Bitumen sickert nach unten, wird im zweiten Tunnel aufgefangen und nach oben gefördert. Gerd Braune

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