Ölförderer : Russland will Total Lizenz entziehen

Nach Shell hat die russische Regierung nun auch dem französischen Total-Konzern mit dem Entzug der Lizenz zum Ölfördern gedroht. Als Begründung werden unfaire Verträge angegeben.

Moskau/Tokio - Für den Widerruf der Genehmigung für das Ölfeld Charjaga in Nordrussland gebe es eine "rechtliche Grundlage", sagte Nikolai Gudkow vom Ministerium für Bodenschätze. Total habe "seine Verpflichtungen nicht erfüllt". Eine Konzernsprecherin sagte, Total halte sich an die vertraglichen Vereinbarungen. In Charjaga werden zurzeit 20.000 Barrel (ein Barrel = 159 Liter) Öl gefördert. Erst am Montag hatte das Ministerium dem britisch-niederländischen Konzern Shell die Förderlizenz für ein Öl- und Gasfeld entzogen.

Die russische Regierung bemüht sich derzeit darum, Förderverträge mit ausländischen Firmen aus den 90er Jahren zu ändern, um mehr Profit aus den Bodenschätzen des Landes zu ziehen. Der hochrangige Ministeriumsvertreter Nikolai Fjodorow warf den Ölkonzernen Total, Shell und Exxon in einem Interview vor, auf Basis unfairer Bestimmungen Profit aus den Verträgen zu ziehen. Allein aus dem Ölgeschäft des Shell-Projekts Sachalin II, das am Montag seine Lizenz verlor, hätte Russland jährlich 300 bis 400 Millionen Dollar Steuern erhalten können, sagte er der "Rossiskaja Gaseta". Stattdessen habe Russland "nur 20 Millionen Dollar Lizenzgebühren" bekommen.

Jahrelanger Streit um Total-Feld

Um das Total-Feld Charjaga gibt es seit Jahren Streit: Die russische Regierung wirft Total vor, die Fertigstellung des Projekts unnötig herauszuzögern. Total bestreitet das. Total ist mit 50 Prozent an der Erschließung und Ausbeutung von Charjaga beteiligt. 40 Prozent hält das norwegische Energieunternehmen Hydro, die restlichen zehn Prozent die Behörden der Provinz Jamalo-Nenez, wo Charjaga liegt. Der Vertrag zur Erschließung und Ausbeutung wurde wie der für die Projekte Sachalin I und II in den 90er Jahren geschlossen, als die russische Regierung schwach und der Ölpreis niedrig war.

Am Montag hatte das Ministerium für Bodenschätze dem britisch-niederländischen Konzern Shell die Lizenz für Sachalin II entzogen; die Arbeiten dort sollen aber vorläufig weiterlaufen. Neben Shell mit 55 Prozent der Anteile sind auch die japanischen Unternehmen Mitsui (25 Prozent) und Mitsubishi (20 Prozent) beteiligt. Sie kündigten an, sie erwögen den Verkauf von Anteilen an das staatliche russische Unternehmen Gasprom. Mitsui könnte drei Prozent abgeben, Mitsubishi zwei Prozent, berichtete die japanische Zeitung "Yomiuri Shimbun". Auch Shell verhandle mit Gasprom, sagte Mitsubishi-Chef Mikio Sasaki.

Auch Joint-Venture TNK-BP im Fokus der Behörden

Sachalin II ist mit einem Investitionsvolumen von 20 Milliarden Dollar (rund 15,6 Milliarden Euro) das weltweit größte private Öl- und Gasförderprojekt. Zugleich ist es das größte ausländische Investitionsvorhaben in Russland. Vor der Insel Sachalin sollen eine Förderinsel sowie eine Gas-Verflüssigungsanlage entstehen. Ab 2008 soll von dort erstmals Flüssig-Gas nach Japan und Korea geliefert werden.

Einem Bericht der "Financial Times" zufolge stellen die russischen Behörden auch die Lizenz des britisch-russischen Joint-Venture TNK-BP für das sibirische Ölfeld Kowitka in Frage. Begründet werde dies damit, dass das Unternehmen gegen Umweltbestimmungen sowie gegen vertragliche Vereinbarungen verstoße. (tso/AFP)

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