Wirtschaft : Ölhändler erwarten Preissprung im Herbst

Frankfurt am Main - Die rund 6,8 Millionen Haushalte in Deutschland, die ihre Heizung mit Öl betreiben, sollten nicht bis Oktober warten, um ihre Tanks für den Winter wieder zu füllen. Bis dahin könnte der Preis wieder deutlich steigen, warnt der Verband Energiehandel Südwest-Mitte (VEH). Premium-Heizöl kostet derzeit etwa 62 Cent pro Liter und ist damit rund vier Prozent billiger als vor einem Jahr. Im Januar allerdings war es sogar für 53 Cent zu haben.

„Ich sehe kaum Zeichen für sinkende Preise – im Gegenteil“, sagte VEH-Vorsitzender Rudolf Bellersheim am Dienstag in Frankfurt. Er erwartet sogar einen großen Preissprung. Hintergrund seien die angespannte Lage im Iran, die unbefriedigende Raffineriekapazität in den USA und die damit verbundene höhere Nachfrage der Amerikaner auf dem europäischen Markt sowie der steigende Energiehunger in China und Indien. Auch die geballte Nachfrage im Herbst treibe den Preis. Außerdem verweist Bellersheim auf Studien von Banken, wonach der Rohöl-Preis auf 90 bis 95 Dollar pro Barrel steigen könnte.

Für Preisdruck könnten auch Lieferengpässe sorgen. So hatte der zweitgrößte russische Ölproduzent Lukoil in den vergangenen zwei Monaten seine vertraglich vereinbarte Liefermenge um ein Drittel gesenkt. Deutschland bezieht etwa ein Fünftel seines gesamten Ölbedarfs über die aus Sowjetzeiten stammende „Druschba“- Pipeline. Nun will Lukoil höhere Preise durchsetzen. Der Konzern verhandele über „marktgerechte und wettbewerbsfähige Preise“, sagte Lukoil-Präsident Wagit Alekperow am Dienstag in Moskau.

Nach VEH-Angaben sank der Heizölverbrauch im milden Winter 2006/2007 um etwa 20 Prozent, der Absatz der Heizölhändler fiel seit Jahresanfang sogar um 30 bis 40 Prozent. VEH-Chef Bellersheim empfiehlt, Heizungsanlagen zu modernisieren oder eine Öl-Brennwertheizung mit Solartherme zu kombinieren, um Verbrauch und Umweltbelastung zu reduzieren. „Dadurch kann der Heizölverbrauch um bis zu 40 Prozent gesenkt werden.“ Derzeit entsprechen bundesweit nur zehn Prozent aller 17 Millionen Heizungsanlagen den aktuellen Effizienz- und Umweltstandards. ro/dpa

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