Ölkatastrophe : BP verliert an Wert – und kämpft im Internet

Kosten der Ölpest auf 28 Milliarden Dollar taxiert. Um die Informationen über die Ölkatastrophe besser im Griff zu halten, kauft BP in den USA Antworten auf Suchanfragen bei Google, Bing oder Yahoo.

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Eine Greenpeace-Aktivistin demonstriert in London gegen den
Eine Greenpeace-Aktivistin demonstriert in London gegen den

BerlinBP ist ratlos, wieder einmal. Der Kurs der Aktie verlor am Mittwochabend in New York knapp 15 Prozent, am Donnerstag ging es dann in London zum Handelsauftakt zeitweise sogar um mehr als 15 Prozent bergab. „Dem Unternehmen ist kein Grund bekannt, der diese Aktienkursbewegung rechtfertigt“, teilte BP am Donnerstag in London mit. Tatsächlich gibt es viele Gründe, warum Anleger die Aktie abstoßen. BP versucht inzwischen, durch gekaufte Anzeigen bei Suchmaschinen, Informationssuchende auf die eigenen Seiten zu leiten.

Vor dem Kurssturz war ein Brief der US- Regierung vom Dienstag bekannt geworden, in dem sie BP ein Ultimatum stellt: Binnen 72 Stunden müssten neue Vorschläge vorliegen, wie das ausströmende Öl aufgehalten werden kann. Seit die Bohrinsel Deepwater Horizon am 20. April explodierte, wurden bereits 40 Prozent des Börsenwertes von BP vernichtet. Im April hatte BP noch eine Marktkapitalisierung von mehr als 120 Milliarden Pfund, inzwischen sind es weniger als 70 Milliarden Pfund (85 Milliarden Euro).

Nach eigenen Angaben hat BP bereits 1,43 Milliarden Dollar (1,19 Milliarden Euro) für den Kampf gegen die Ölpest und für Entschädigungen ausgegeben. Schätzungen, wie viel die Ölpest den Konzern insgesamt kosten könnte, gibt es von BP nicht – nur die wiederholte Beteuerung, finanziell so stark zu sein.

Die Anleger haben daran offenbar immer mehr Zweifel. In jedem Fall werden die Belastungen hoch sein. So schätzen etwa die Analysten der Bank of America Merrill Lynch, die die Daten von mehr als 8000 früheren Ölkatastrophen ausgewertet haben, die Gesamtkosten auf mindestens 28 Milliarden Dollar.

Was den BP-Kurs außerdem drückt, ist die Sorge der Investoren um die Dividende, die bei dem britischen Konzern quartalsweise ausgezahlt und Ende Juli fällig wird. Zu den Anlegern gehören auch Pensionsfonds. Ein Vertreter des US-Justizministeriums sagte bei einer Anhörung, seine Behörde prüfe, ob BP mit einer einstweiligen Verfügung an der Auszahlung einer Dividende gehindert werden könne. BP will sich erst im Juli zur Dividende äußern.

Um die Informationen über die Ölkatastrophe besser im Griff zu halten, kauft der Konzern in den USA Antworten auf Suchanfragen bei Google, Bing oder Yahoo. Wer etwa das Wort „Ölpest“ eingibt, erhält farblich unterlegt und als Anzeige gekennzeichnet als ersten Treffer einen Link zu BP. „Wir haben Suchbegriffe bei Suchmaschinen wie Google gekauft, damit die Leute leichter erfahren können, was wir unternehmen“, sagte BP-Sprecher Toby Odorne dem US-Sender ABC. Internetnutzer könnten dort Schadenersatzansprüche anmelden oder über Ölfunde am Strand berichten. Branchenexperten sehen den Schritt in erster Linie als Versuch, die öffentliche Meinung zu steuern und das ramponierte Image zu reparieren.

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